Thesen für Strukturförderung


***Für die Dialogveranstaltung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NordrheinWestfalen mit Künstlerinnen und Künstlern am 9. Oktober 2018***************** fuer@netzwerk-x.org **************

Das Netzwerk X setzt sich seit seiner Gründung intensiv auch mit der Kulturpolitik im und für das Ruhrgebiet auseinander. Leitend hierbei sind sieben FÜR-Thesen (www.netzwerk-x.org/fuer), mit denen sich die Mitglieder des Netzwerk X (aktuell 50 freie Gruppen/Initiativen) in der kulturellen Landschaft des Ruhrgebiets positionieren.

Für die Dialogveranstaltung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein Westfalen mit Künstlerinnen und Künstlern am 9. Oktober 2018 in Dortmund haben wir als Impuls für die gemeinsame Diskussion fünf weitere FÜR-Thesen formuliert. Sie basieren auf Erfahrungen und kritischen Auseinandersetzungen mit bestehenden Förderstrukturen sowie auch bereits auf Erprobungen und Erforschungen von alternativen, Kunst-Kontext-Strukturen fördernden Modellen.Der konkrete Raum unserer Erfahrungen und Intentionen ist das Ruhrgebiet, in dem verarmte Kommunen – wie sicherlich auch in anderen Teilen des Landes NRW – zu ehemals geleisteten strukturellen Förderungen freier Kunst und Kultur nicht mehr in der Lage sind.

FÜR die strukturelle Förderung von denen, die Kunst möglich machen
Kunst kann nur stattfinden, wo sich Orte und Kollektive finden, die diese betreiben, betreuen und vorantreiben. Projektförderung macht es nicht möglich, die Strukturen, die Kunst ermöglichen, mit Geld auszustatten, sodass sie sich verbessern und vernetzen können.

FÜR eine progressive Ausrichtung der Kulturförderung
Kunst ist der Ort von Selbstverwaltung und -Gestaltung. Kollektive, hierarchiefreie, feministische, solidarisch-emanzipatorische Organisation ist ausdrücklich zu fördern und zu unterstützen.

FÜR die Stärkung der Integration von Kunst und Sozialem
Zeitgenössische Kunst findet häufig ganz selbstverständlich an der Schnittstelle von Kunst und Sozialen statt, ist gleichzeitig soziokulturell orientientiert und mit experimenteller Kunstpraxis verknüpft. Dass es ohne sozialen Raum keine wirkungsvolle Kunst und ohne künstlerische Impulse keine soziale Bewegung gibt, ist für viele Akteur*innen Alltag – dies sollte ein Ausgangspunkt für eine zeitgemäße Kulturpolitik sein.

FÜR mehr bezahlte Arbeit
In kunstsozialen Zusammenhängen wird zu viel umsonst gearbeitet. Dies führt dazu, dass sich dieses nur Privilegierte leisten können und dies führt zum Verlust von Qualität und Vielfalt. Nur wenn die Organisation von und Arbeit an Kunst auch außerhalb von Arbeiten in temporären, geförderten Projekten fair bezahlt wird, kann Kunst ihre gesellschaftliche Aufgabe erfüllen.

FÜR Kunst-Kontext-Förderung
Im Projekt „Wem Gehört Die Kunst“ hat das Netzwerk X gemeinsam mit dem Ringlokschuppen Ruhr und Urbane Künste Ruhr an der Entwicklung eines die bestehenden Projekt-, Ensemble- und Künstler*innen-Förderungen ergänzenden Fördermodells, der „Kunst-Kontext-Förderung“, geforscht. Es liegen bereits Erfahrungen vor, wie durch die Stärkung von Kunst-Kontext-Strukturen (Kollektive und Orte) einer zeitgemäßen Kulturförderpolitik näher zu kommen ist.

Wir wünschen uns ins Gespräch zu kommen und sind daran interessiert, an der Ausarbeitung eines landespolitischen Förderinstruments mitzuwirken, welches der allenthalben kritisierten „Projekteritis“ mit einer nachhaltigen, Kunst-Kontext-Strukturen stärkenden Maßnahme begegnet.

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