„Individuelle Künstlerförderung NRW“ – ein paar Fragen und Antworten

Mit dem Programm „Individuelle Künstlerförderung“ geht in NRW ein neues Förderinstrument an den Start. Wir stellen hier alle bisher vorliegenden Informationen zusammen und versuchen Fragen und Bedenken zu formulieren.

Sich in der Materie zu Recht zu finden, ist angesichts der sich stets entwickelnden Konkretisierung des Programms schwierig, angesichts der ernsten und möglicherweise weitreichenden Folgen, die das Programm für die Arbeitswirklichkeit der angesprochenen sog. Künstlerinnen, Künstler und Kreativen hat, jedoch dringend notwendig.

Auf der Internetseite kreativ-quartiere.de/kuenstlerfoerderung/ informiert das „European Center for Creative Economy“ (kurz ecce) über den Stand der Dinge bzw. darüber, dass es schon los gegangen ist.

Update 21.09.2016 – mittlerweile liegen Antragsformulare etc. vor. https://bewerbung-ikfruhr.onlinecontestmanager.de/ausschreibungen.html?&no_cache=1


Start der Individuellen Förderung von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen
Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW (MFKJKS) hat im Juni 2016 die Individuelle Förderung von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen (IKF) offiziell als Pilotprogramm für das Ruhrgebiet freigegeben.
[…]
Wer kann Anträge stellen? Welche Förderbereiche gibt es?
Antragsberechtigt sind KünstlerInnen und Kreative (inkl. KünstlerInnengruppen sowie Städte, kulturelle Institutionen, Dachverbände und freie Kulturträger. Es gibt die vier Förderbereiche: Künstlerinnen und Kreative (darunter: Künstlerische Entwicklung, Aktionsförderung, Themenförderung), Quartier, Partner sowie Dialog.
[…]
Sie können ab Juli 2016 – schon parallel zur organisatorischen Vorbereitung – Antragsideen zur IKF entwerfen und erarbeiten oder Anträge vorbereiten. Wenn gewünscht, wird ecce Sie auch bei der Antragstellung unterstützen, beraten und coachen.“

Die sich daraus ergebenden Fragen haben wir Bernd Fesel von ecce gestellt:

X:
Das Land NRW hat ein neues Förderprogramm aufgelegt. Es heißt zwar „Individuelle Künstlerförderung“ umfasst jedoch Fördermaßnahmen, die über dieses Ziel hinaus reichen. casinonews.it

Bevor wir ins Detail gehen: Welche Zahlen stehen hinter den konkreten Förderbereichen? Wieviel Geld ist den einzelnen Bereichen zugedacht? Wenn dies noch nicht klar sein sollte: Wieviel Geld steckt in dem gesamten Programm und welche Faktoren wirken darauf ein, wie die Verteilung letztendlich aussieht?

ecce:
Für das restliche Jahr 2016 ist ein Budget für den IKF Pilotraum Ruhr in Höhe von 300.000 Euro avisiert. Die Verteilung der Gelder auf die einzelnen Förderbereiche richtet sich letztlich nach den Bedarfen und der Zahl der Anträge in den einzelnen Bereichen. Hier ist bewusst auf eine starre Regelung verzichtet worden, um flexibel reagieren zu können.

X:
„ecce hat die Pilotierung dieser neuen Förderung ins Ruhrgebiet geholt“ (pdf-link), heißt es bei euch. Erst einmal zum Stichwort „Pilotierung“: Das Programm wird also im Ruhrgebiet ausprobiert bevor es in ganz NRW an den Start geht. Das Ruhrgebiet hat Eigenheiten, die sich nicht unmittelbar auf ganz NRW übertragen lassen. Z.b. ist die Struktur der Kreativquartiere und des Partners ecce in anderen Regionen nicht gegeben. Wie soll diese Übertragung gewährleistet werden bzw. soll die Struktur „Kreativquartiere“ und Kreativwirtschafts-Netzwerk-Akteur als Koordinationsstelle auf ganz NRW übertragen werden?

ecce:
Die im Ruhrgebiet bis 2017 pilotierten Förderinstrumente und Projekte werden evaluiert. Diese Auswertungen werden – wie die Studie der Prognos AG – veröffentlicht und diskutiert. Parallel dazu gibt es Gespräche mit dem Kulturrat NRW und anderen landesweiten Partnern, um einen gemeinsamen Dialogprozess für ganz NRW zu überlegen. Im Rahmen dieses Dialogprozesses soll die Übertragung geleistet, bzw. die Lehren aus Erfahrungen im Ruhrgebiet gezogen werden können. Wir werden Euch und alle Interessierten darüber auf unseren Netzwerktreffen informieren.

X:
Nochmal zu den Unterschieden innerhalb von NRW. Das neue Förderprogramm stützt sich auf eine Studie der Prognos AG (http://www.e-c-c-e.de/fileadmin/content_bilder/presse/Downloads/Kuenstlerfoerderung_Web.pdf). Dort heißt es: „Der Lebens- und Arbeitsraum von rund drei Viertel der Teilnehmenden sind die kreisfreien Städte in NRW – allen voran Düsseldorf und Köln, auf die je Stadt rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer entfallen.“ Die Bedingungen in Köln und Düsseldorf für Kunst und Design unterscheiden sich stark von denen im Ruhrgebiet. Um die Ergebnisse der Studie für eine Pilotierung des IKF-Programms im Ruhrgebiet sinnvoll in Beziehung setzen zu können, müssten diese Ergebnisse für das Ruhrgebiet spezifisch aufgeschlüsselt werden. Erste Frage: Liegt euch eine Aufschlüsselung der Studienergebnisse für das Ruhrgebiet vor? Wenn ja: warum ist diese bislang nicht öffentlich?

ecce:
Die IKF-Pilotierung im Ruhrgebiet ist eine Pilotierung für ganz NRW, nicht nur für das Ruhrgebiet.

Wir greifen Deine Anregung nach spezifischen Ruhrgebietsdaten gerne auf und lassen zum nächsten Netzwerktreffen Daten auswerten, soweit das möglich ist.

X:
Ihr verwendet die Klammer „Kreativwirtschaft“ für eure Aktivitäten. Auf der Webseite des Wirtschaftsministeriums wird „Kultur- und Kreativwirtschaft“ wie folgt bestimmt: „ Die Teilmärkte Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architekturmarkt und Pressemarkt werden unter dem Begriff „Kulturwirtschaft“ zusammengefasst. Zusätzlich sind die beiden Teilmärkte Werbemarkt sowie Software/Games-Industrie als sogenannte Kreativbranchen mit einbezogen.“ (link). Kunst wird in dieser Rahmung unter seiner ökonomischen Perspektive begriffen Besuch pariuri casino games. Das Ministerium spricht hier jedoch von „Kunstmarkt“, d.h. dem Handel mit Kunst, nicht der künstlerischen Praxis. Das Programm IKF will jedoch auch „zweckfreies und selbstbestimmtes künstlerisches Arbeiten unterstützen.“ Wie in der Selbstbestimmungen der Ökonomie, gibt es Selbstbestimmungen der Kunst, wie z.B. ihre mögliche Zweckfreiheit. Kunst zu entwickeln könnte auch bedeuten, sie in ihren eigenen Begriffen, kunstgeschichtlichen Debatten und ihrer stetigen Auseinandersetzung mit ihrer Beziehung zum „Markt“ zu denken. In welcher Rolle sieht sich ecce in Bezug auf die Ineinsetzung von Kunst und Kunstmarkt bzw. Kunst und Design?

ecce:
Das Programm IKF ist eine Initiative des MFKJKS und basiert entsprechend dessen Tradition auf einem offenen Begriff von Kunst und Kultur, der sowohl autonom künstlerisches Arbeiten wie auch wirtschaftlich künstlerisches Arbeiten umfasst. Für die meisten KünstlerInnen ist dies ohnehin kein Entweder-oder, sondern in der Praxis ein Sowohl-als-auch. Auch die Definition des NRW-Wirtschaftsministeriums ebenso wie die des Bundeswirtschaftsministeriums ist offen für beide Dimensionen künstlerischer und kreativer Arbeit. Die Landesinitiative IKF ist offen für verschiedene Arbeits- und Einkommensformen von KünstlerInnen und Kreativen (auch non-profit und Ehrenamt) und trifft keine weltanschauliche Vorentscheidung. ecce führt dieses Landesprogramm aus at https://paraskasinotfi.com/.

X:
In einer Studie der Uni Hildesheim zur Beziehung zwischen Soziokultur und Kultur- und Kreativwirtschaft heißt es:

„Zunächst einmal ist der Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft (KuK) ein politischer, um einen vielversprechenden Wirtschaftszweig zu fördern. Die Personen, welche in den o.g. Teilbranchen beschäftigt sind, verstehen sich selbst aber oftmals (noch) nicht als Akteure der KuK sondern sehen sich eher den Szenen der Sub- und Alternativkultur mit den entsprechenden Wertvorstellungen verpflichtet, weshalb eine Nähe zur Soziokultur auf der Hand liegt. Verfolgt man die Konferenzen oder Veranstaltungen einzelner Kreativnetzwerke so wird klar: Die KuK im Sinne der Kreativszenen formiert sich noch, die einzelnen Vertreter entdecken sich gegenseitig, lernen sich kennen, vernetzen sich, überlegen, wie trotz der Unterschiede ein gemeinsames Sprachrohr gebildet werden kann und mit wem sie kooperieren können. Wenn man langfristige Erfolge der KuK und nicht nur kurze Strohfeuer anstrebt, müssen die vielfältigen Interessen der Akteure in ihrer Unterschiedlichkeit wahrgenommen und dürfen bei der Steuerung der Entwicklungsmöglichkeiten der KuK nicht außer Acht gelassen werden.“ (Machbarkeitsstudie SoKuK Juni 2013 – pdf-link)

Wie schätzt ihr die hier benannten Problemstellungen ein und wie wollt ihr ihnen in Zukunft begegnen?

ecce:
Dem kann ich zustimmen; daher ist die Arbeit von ecce seit 2011 im Ruhrgebiet durch Bottom-up-Strategien und Roundtables in den Städten geprägt. Auch die Landesinitiative IKF basiert von Anfang an auf der Einbeziehung der heterogenen und vielfältigen Szenen in der Kultur und Kreativwirtschaft – von der Studie der Prognos AG bis zum Dialogprozess, der im April in Dortmund startete und seitdem auch zukünftig mit Workshops fortgesetzt wird.

Nicht zu Letzt ist diese Beteiligungsphilosophie auch im Kulturfördergesetz des Landes NRW verankert (§ 23, 27). Soweit ich weiß, für ein Bundesland in Deutschland ein Novum – so eine ergebnisoffene Beteiligungskultur in der Kulturpolitik und sogar in der Gestaltung der konkreten Förderinstrumente.

X:
Abschließend noch eine Frage zur Ausgestaltung von IKF: Jetzt sollen allerlei Jurys besetzt werden. Wer bestimmt über die Berufung der Jurymitglieder und wie können die Künstler*innen darauf Einfluss nehmen?

ecce:
Zum Juryverfahren hat ecce auf der Konferenz am 14. April in Dortmund einen offenen Dialog mit KünstlerInnen und Kreativen angekündigt. Dazu hat ein Workshop im Juni stattgefunden, zu dem mehr als 20 TeilnehmerInnen eingeladen waren. Demnach werden JurorInnen zeitlich befristet und revolvierend berufen sowie öffentlich bekannt gegeben. Die Berufung von JurorInnen läuft zurzeit und ist noch nicht abgeschlossen.


JOSCHA HENDRIX ENDE
:::J:::::X::::::::ENDE::::::
youtube kanal / facebook fanpage / joscha-hendricksen.de
denkodrom.de / katastrophia.org / dasbehaelter.de
Philosophisches Kabarett, Musik, Performance,Theorie
Katastrophia, Das Behälter, RoxXy Chaos
Ruhrgebiet, Hamburg

Zerstört die Kreativqartiere – Kultur Tunnel Ruhr ✓

Der KULTUR TUNNEL RUHR ist 12 Performances später etabliert und durchschreitbar. Schaut euch die Ergebnisse als Fotos und Videos an: www.kulturtunnel.ruhr. Im Januar denken wir nochmal drüber nach und jauchzen frohlockend in die neue Saison für

P.rekarisierte
O.der
Proletarier oder
K.ünstler*innen
A.n
R.hein oder
Ruhr oder
E.mscher
—POPKARREN?

kulturtunnel.ruhr

Kommentar zum Entwurf RVR-Kulturförderung

Lieber Regionalverband Ruhr!
(*als PDF lesen: RVR-Brief)

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgt das Netzwerk X seit seiner Gründung 2011 die kulturpolitischen Weichenstellungen des RVR. Im Zuge unserer „X:PIKS“-Intervention 2013 haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass im Rahmen der Nachhaltigkeitsarchitektur des RVR keine Säule für an der Schnittstelle von Kunst und sozialem Raum arbeitende, lokal verankerte und regional arbeitende und vernetzte Initiativen vorhanden ist.

Nun diskutiert der RVR die Einrichtung einer eigenen Kulturförderung für die freie Szene im Ruhrgebiet, was wir sehr begrüßen. Auch die geplanten Förderkriterien markieren einige Schwerpunkte und Ziele, für die wir uns seit der Gründung des Netzwerk X – praktizierend und fordernd – einsetzen visit here ilmaistapornoa.net

Der uns vorliegende Entwurf des RVR sieht u.a. vor:

• Förderung von Projekten, welche „die regional vorhandenen Potentiale sowie die Kulturinstitutionen und -akteure der Kulturmetropole Ruhr vernetzen und stärken“

• Förderung von Projekten, „die aufgrund ihrer Spartenzugehörigkeit bzw. ihres inhaltlichen Zuschnitts weder mit dem bestehenden Programmschwerpunkt ‚Künste im urbanen Raum’ noch mit dem der ‚identitätsstiftenden Großveranstaltungen’ kompatibel sind“

• Förderung von Projekten, „die den weiteren Ausbau interdisziplinärer und regional kooperativer Arbeits- und Produktionsweisen insbesondere im Bereich der Off-Kultur zum Ziel haben“

• „Ziel ist es, den Aufbau regionaler Netzwerkstrukturen für eine dauerhafte Zusammenarbeit zu unterstützen“

Dem so formulierten Zuschnitt der geplanten Fördermaßnahme stimmen wir ausdrücklich zu und halten – anders als im Sachstandsbericht vom 20.05.2015 (Anlage 1 zu Drucksache Nr. 13 /0201 / Kulturförderung des RVR 2015) vermerkt – die Umsetzung einer Maßnahme, welche diese Ziele verfolgt, für prioritär.

Leider jedoch sind weitere in den Förderkriterien und v.a. im Entwurf der Förderbedingungen formulierte Spezifika der geplanten Maßnahme unseres Erachtens diesen – endlich vom RVR explizit benannten, angestrebten – Zielen nicht oder nur wenig förderlich.

Aus unserer Sicht – basierend auf vielfältiger praktischer Erfahrung sowie Reflexion der kulturpolitischen Gegebenheiten in unserer Region – entstünde in Umsetzung des uns vorliegenden Entwurfs nur ein weiterer, relativ kleiner Kultur-Fördertopf neben den bereits existierenden lokalen (Kulturbüros) und regionalen (RKP Ruhrgebiet, LAG NW, Landesbüro freie Kultur NRW), auf welchen – anders als die o.g. Zielvorstellungen nahelegen und die Förderbedingung „kurze Projektbeschreibung (max. 1 DIN A4 Seite)“ wahrscheinlich anstrebt – doch wieder nur bereits antragsgeübte Gruppierungen zugreifen können und werden – und auch diese ohne eine anderswo nicht gegebene, besondere Möglichkeit.

Wir sind der Überzeugung: Der RVR kann mehr. Er könnte und sollte für die von ihm nun formulierten Ziele kulturpolitisch weit größere Schritte machen. Auf den folgenden Seiten benennen wir ein paar Einlaßstellen für eine deutliche Verbesserung der geplanten Fördermaßnahme, welche sie zu einer ihren Zielen effektiv dienenden machen könnte.

Für die weitere inhaltliche Diskussion bieten wir uns gerne als Dialogpartner, für die Umsetzung einer effektiven Fördermaßnahme des RVR für die freie Szene als strategischer Partner an.
Mit prekären und freundlichen Grüßen
Sarah Berndt, Joscha Hendricksen und Stefan Schroer
(für den FÜR e.V. des Netzwerk X)


FÜR e.V.: Kommentar zum Entwurf RVR-Kulturförderung

Einlässe zum Entwurf einer RVR-Kulturförderung für die Unterstützung der Arbeit der freien Szene im Ruhrgebiet, Beurteilung der vorgesehenen Förderkriterien und der Förderbedingungen. Anlage zum Brief des FÜR e.V. an den RVR vom 05. Juni 2015.

Wir benennen im Folgenden Stichpunkte, mit denen wir die Ansätze unserer Verbesserungsvorschläge kenntlich machen. Zum Teil markieren wir damit im RVR-Entwurf noch nicht Benanntes, zum Teil kritisieren wir vorgeschlagene Verfahrensregeln. Im mündlichen Dialog und auch schriftlich sind wir zur detaillierten Ausformulierung gerne bereit. Unsere Vorschläge wollen die im o.g. Brief an den RVR zitierten, von uns geteilten Ziele der geplanten Maßnahme befördern. Wir beginnen stets positiv: FÜR!

• Festbetragsfinanzierung – statt Fehlbetragsfinanzierung. Gerade den Nicht-Antrags-Profis der zu fördernden Off-Kultur muss die Möglichkeit gegeben werden, ihr inhaltlich gutgeheißenes Projekt (oder auch erstmal nur Teile daraus) umzusetzen, auch wenn der ursprüngliche größere (Finanz-)Plan gescheitert ist – oder wenn das bürokratische Knowhow (oder die Zeit oder auch: die Lust) fehlt, die nicht erhaltenen Co-Förderungen mit geldwerten Sachleistungen fördertechnisch korrekt zu kompensieren. Die so weiter nur der Projektumsetzung dienenden Energien werden, so unsere sichere, erfahrungsbasierte Einschätzung, sehr produktive sein.

• Werkvertrag – statt Abrechnung. Überschaubare Projekte mit einem klar formulierten/vorgesehenen öffentlich sichtbaren Ergebnis (Ausstellung, Diskussionsveranstaltung, Webpräsentation, Performance etc.) lassen sich noch einfacher befördern und damit ermöglichen: indem nicht ein Projektprozess finanziert wird, sondern das daraus entstehende Werk. Eine solche (regional bislang von keiner öffentlichen Förderstruktur gegebene) Modalität erreichte neue Akteur*innen und erleichterte allen ihre bürokratische Arbeit, mit Gewinn für die inhaltliche.

• Förderung investiver Maßnahmen – nicht alles ist ein Projekt. Die Reparatur einer Heizung, die Professionalisierung von Ton- oder Lichttechnik, die Beibringung eines bauordnungsamtlich geforderten Gutachtens für die (neue, erneuerte) Betriebsgenehmigung eines (sozio-)kulturellen Off-Ortes können weit effektivere Unterstützungen für Basis-Initiativen sein als Zuschüsse für ihre konkreten Projektarbeiten. Die Kosten (400 bis 4.000 EUR) sind überschaubare, die Effekte (ihres Vorhandenseins oder Fehlens) enorme. Es gibt bis dato keine regionale öffentliche Förderung, die solche Mikro-Investitionen möglich macht. Der RVR kann und sollte dies nun ändern.

• Basis – statt Kulisse. Für die nicht städtisch oder/und mit Landeszuschüssen strukturell geförderten (sozio-)kulturellen Orte in der Region gibt es bislang keine Möglichkeit, auch nur ihre Betriebskosten (geschweige Grundkosten: Raummiete, Personal) befördern zu lassen. Effekte sind dauernde Existenzangst, private Zuzahlung für die reine Existenz des Ortes statt Fähigkeit zur Selbstorganisation und damit Freiheit zu sinnvoller inhaltlicher, kultureller, künstlerischer Arbeit an/in ihm (und auch Verdienstmöglichkeiten mit diesen Arbeiten). Mit im Vergleich zu Fördervolumen professioneller kultureller Projekte (oder den täglichen Betriebskosten eines größeren Museums) marginalen Mitteln wäre für ein kulturell vielfältig lebendiges Ruhrgebiet mit der Ermöglichung einer Grundkostenförderung sehr viel zu erreichen.

• Einbeziehung der Antragsteller*innen in das Vergabeverfahren & (damit) Herstellung von Kollektivität/Vernetzung – anstelle eines weiteren „Black-Box“-Jury-Verfahrens für Antragsmonaden. Das Netzwerk X hat in seinem – vom RVR (Stiftung RUHR 2010) geförderten – Projekt INVERSCITY sehr positive Erfahrungen mit gemeinsamer Mittelvergabe gesammelt, von deren Struktur vieles auch institutionalisierbar wäre. Mit diesem – gut zu kommunizierenden und strukturell/institutionell/personell zu begleitenden – Ansatz sind im Ruhrgebiet bereits aktive Gruppen/Initiativen erreichbar, die bislang noch nicht auf dem Antragskarussell mitfahren. Zudem entstehen inhaltliche und strategische Verbindungen und auch konkrete Zusammenarbeiten zwischen den je Projektverantwortlichen und so über die Projektumsetzungen hinaus regionale Netzwerkstrukturen für fortgesetzte, dauerhafte Zusammenarbeiten.

• Selbstkritik – statt Identitätspflege. Die kritische Infragestellung der kulturellen, geschlechtlichen und regionalen Identität ermöglicht demokratische Teilhabe. Auf diese Weise können Privilegien und Defizite erkannt und in Bewegung gebracht werden. Eine bereits mit der geplanten Maßnahme als Fördervoraussetzung vorgeschriebene Identitätsstiftung (für was auch immer) ist ein Kriterium, welches bestimmte Projektansätze und im Konkreten substantielle Reflexionen, welche insbesondere von off-kulturellen Arbeiten für eine regionale Selbstverständigung zu leisten wären, per se ausschließt.

• Mehr ist mehr – 70.000 Euro sind kaum mehr, als die Stadt Duisburg (sic!) jährlich für ihre freie Szene vergibt, ein Bruchteil der lokal vergebenen Summen in Essen, Bochum, Dortmund oder weniger als der Gesamtetat von manchen (von ECCE+WMR zu befürwortenden, landesfinanzierten) Kreativ.Quartiere-RUHR-Projekten. 300.000 Euro dürften und sollten es schon sein. Dies entspräche allein dem Etat des jährlich einen Kooperationsprojekts von UKR mit der Ruhrtriennale. Mit (mindestens) diesem Etat wären die vom RVR mit dem jetzt vorgelegten Förderprogramm formulierten Ziele garantiert effektiv und nachhaltig zu erreichen. Hier nicht nur als (und schon gar nicht undifferenziert neben andere gestellte) Projektfördermaßnahme, sondern als neue Formen der Investiv-/Projekt-Förderung inkludierende strukturelle. Mit „X:PIKS“ (Dokument: http://netzwerk-x.org/xpiks-ein-kulturpolitischer-vorschlag) haben wir hierzu bereits 2013 einen Vorschlag veröffentlicht, den wir nun erneut – als eine mögliche (im Detail neu zu diskutierende, abzuwandelnde) Strategie zur Erreichung gemeinsamer Ziele – in die Diskussion einbringen wollen.

Weitere Fragen (etwa zur Kompatibilität zugesprochener RVR-Fördermittel mit Förderungen aus Landesmitteln) stellen sich. Wir verzichten auf weitere konkrete Einlassungen und halten stattdessen noch einmal fest: Wir begrüßen sehr die vom RVR aktuell geplante Förder-Initiative zur Stärkung im Ruhrgebiet bereits vorhandener (off-)kultureller Initiativen und Projekte. Wir unterstützen ausdrücklich die meisten der hierfür konkret formulierten Ziele. Wir wissen, dass diese Ziele in der vorgeschlagenen Förder-Struktur nicht oder kaum zu erreichen sind und schlagen deshalb ihre Veränderung vor. Die oben formulierten Aspekte markieren mögliche Ansätze zu ihrer Neufassung.

Wir stehen bereit für einen konstruktiven Dialog und auch für praktische Partnerschaft im Prozess der Umsetzung der geplanten Fördermaßnahme zur bestmöglichen Beförderung ihrer Ziele.