Tanzdemo gegen Rechtsruck und Polizeigewalt & für Freiräume!

Nächsten Freitag, den 23.8., wollen wir mit einer lauten, bunten, queeren und feministischen Demo durch den Stadtteil Essen-Frohnhausen ziehen. Los geht’s um 17 Uhr am Essen-West S-Bahnhof.

Wir machen die Demo in Zusammenarbeit mit dem Kreisch – Festival für Straßenkünste, weil für uns Straßenkünste alle Aktionen sind, mit denen wir uns den öffentlichen Raum für eine widerständige, kreative und emanzipatorische Politik aneignen.

Bei der Demo wird es vom Wagen Live-Musik mti DJs und den Asexual Burnout Sisters geben. Am Ende schauen wir einen Film.

AUFRUF
TANZDEMO GEGEN RECHTSRUCK UND POLIZEIGEWALT &
FÜR FREIRÄUME AM 23.8. IN ESSEN-FROHNHAUSEN

Der grassierende Rechtsruck und die Zuspitzung politisch motivierter polizeilicher Repressionen äußert sich auch in Essen. Dies bedroht das Recht anders sein zu dürfen und bringt antifaschistische, nicht hetero-normative und nicht-weiße Personen in Lebensgefahr.

So kann beispielsweise die rechte Mackergruppierung, die sogenannten „Steeler Jungs“, Woche für Woche ungehindert durch den Stadtteil marschieren, während die Gegenproteste von der Polizei eingehegt und von den Mitgliedern der „Steeler Jungs“ verfolgt werden. (1,2)

In der Polizeiarbeit zeigt sich der Rechtsruck im Verhalten der Polizei z.B. bei verdachtsunabhängigen Kontrollen. Diese zielen dabei hauptsächlich auf Menschen ab, die aussehen, als hätten sie einen Migrationshintergrund. Dazu kommen regelmäßige, immer heftiger eskalierende Razzien in Cafés und Sisha Bars. Außerdem kam es beispielsweise in Essen in den letzten zwei Jahren zu zwei Fällen, in denen die Polizei jeweils einen Anwohner aus scheinbar nichtigen Gründen erschoss. Bei beiden handelte es sich um Menschen mit Migrationshintergrund. (3,4)

Die Essener Lokalpresse, insbesondere in Person des WAZ-Redaktionsleiters Frank Stenglein, lässt in der Beschäftigung mit diesen Themen jedes Demokatrieverständnis missen.

Gewalt gegen Demonstrant*innen, die sich rechten Aufmärschen entgegenstelle nimmt ebenso zu. In den letzten Monaten zum Beispiel in Duisburg und Kassel (5). Linke Freiräume und Projekte werden angegriffen; Anfang Juni wurden im Zuge eines Polizeieinsatz am AZ Mülheim Mitarbeiter*innen schikaniert, verletzt und sexistisch behandelt. (6) Die Polizei hat im letzteren Fall mit einer vollständig gegenteiligen Darstellung des Sachverhalts reagiert, die Betroffenen und das AZ-Mülheim angezeigt. Dies ist ein Angriff auf linke Kulturorte, dem wir uns kollektiv engegen stellen wollen.

Wir sehen dies alles als Teil eines fortschreitenden gesellschaftlichen Rechtsrucks, in dem ein Klima der Angst und Einschüchterung erzeugt wird und Räume, in denen sich Menschen frei von Diskriminierungen und Zwängen entfalten können, zurück gedrängt werden. Dem stellen wir uns mit dem kontinuierlichen Einsatz für freie Kultur und gegen jegliche menschenfeindlichen Umtriebe entgegen.

Wir treten weiterhin für antifaschistische, selbstbestimmte Freiräume ein – auch über diesen Abend hinaus. Lasst uns auf die Straße gehen, um gemeinsam für ein gutes Leben für Alle zu streiten!

Ablauf:
Wir sammeln uns ab 17 Uhr auf dem Vorplatz des S-Bahnhof Esssen-West. Von dort ziehen wir zur Zwischenkundgebung am Gervinusplatz und von dort zum Frohnhauser Markt.
Los geht es am S-Bahnhof Essen West, Endpunkt ist auf dem Fronhauser Markt.

Dort wird ab 20 Uhr der Film Der Gipfel – Performing G20 gezeigt. Der Film thematisiert künstlerische Interventionen im Rahmen des G20 Gipfel (z.B. von 1000 GESTALTEN oder SchwabinggradBallett) und bringt unser Demo-Thema in einer größeren Zusammenhang.

Quellen
(1)
Die „Steeler Jungs“ verbreiten Angst in Essen – Belltower.News
https://www.belltower.news/nrw-die-steeler-jungs-verbreiten-angst-in-essen-89633/
(2)
Was die „Steeler Jungs“ so denken – Essen stellt sich quer
https://essq.de/index.php/2019/04/14/was-die-steeler-jungs-so-denken/
(3)
Über 60 kamen zum geplanten 3-stündigen Protest durch Altendorf
Blutrotes Demotuch für erschossenen Adel
https://www.lokalkompass.de/essen-west/c-blaulicht/blutrotes-demotuch-fuer-erschossenen-adel_a1188117
(4)
Schuss ins Herz: Musste Mikael Haile wirklich sterben?
https://www.akduell.de/home/lokales/schuss-ins-herz-musste-mikael-haile-wirklich-sterben
(5)
BFE-Beamte hatten auf der Straße sitzende Nazigegner mit Reizgas besprüht – Klagen gegen Polizeigewalt in Kassel
http://www.beobachternews.de/2019/08/02/klagen-gegen-polizeigewalt-in-kassel/
(6) „Brutaler Polizeiübergriff auf Mitarbeiter*innen des Autonomen Zentrums“
http://www.az-muelheim.de/brutaler-polizeiuebergriff-auf-mitarbeiterinnen-des-autonomen-zentrums/

Die Demonstration wird unterstützt vom
Netzwerk X – für Kunst & Soziales

Kreisch – Festival für Straßenkünste

Nächstes Wochenende findet das „Kreisch – Festival für Straßenkünste“ statt (mit TAG IM PARK). Kommt vorbei!

Programmübersicht unten und auf KREISCH-FESTIVAL.DE
 
Donnerstag, 22.8., ab 18 Uhr
Ausstellung:
Unfug, Spass & Widerstand

Performance:
The Trial of Liberation
von Olga Drachuk-Meyer
 
Freitag, 23.8., ab 17 Uhr:
Tanz-Demonstration:
Gegen Rechtsruck & Polizeigewalt – Für Freiräume!
Startpunkt: Essen-West S-Bahnhof
mit Live-Musik von Asexual Burnout Sisters

Film ab 20 Uhr:
Der Gipfel – Performing G20
von Rasmus Gerlach
Auf dem Frohnhauser Pllatz

Samstag, 24.8., 12 – 16 Uhr
Denkodrom Musikmatinée:
mit Kram & Freund*innen

Performance:
kontemplativ, reflexivautonom
von Lydia Klammer

Stadtteil-Spaziergang im Anschluss:

Der letzte Emschamane
mit Klaus Steffen
 
Sonntag, 25.08., 15 – 19 Uhr
„Tag Im Park“
Mitmachaktion im Gervinuspark!
mit der Gruppe Gesprächsbereitschaft warum solltest du deinen YouTube Kanal überhaupt optimieren,
Handsome Couple & feministischer Lesearbeit
und Euch  ♥

 
 
 
 


 


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Brutaler Polizeiübergriff auf Mitarbeiter*innen des AZ Mülheim (Updated) / Demo am 15.6.19

via https://de.indymedia.org/node/33725?fbclid=IwAR3GJsMn_wBX3wEv8Palwek7P5YFVpqckJSkEhr3cSIxHzVB8PO-xgMGr6M
von: AZ Mülheim am: 11.06.2019 – 18:47Themen: FreiräumeKulturRepressionSoziale KämpfeRegionen: Mülheim a. d. Ruhr

Am frühen Morgen des 8. Juni ist es auf dem Gelände des AZ Mülheim zu einem gewalttätigen Polizeiübergriff gekommen. Dabei wurden zwei Mitarbeiter*innen verletzt und in Gewahrsam genommen. Im weiteren Verlauf kam es zu Misshandlungen und Schikanen, rechten Äußerungen und sexistischem Verhalten seitens der Beamt*innen. Demo gegen Polizeigewalt nächsten Samstag, 15.06., in Mülheim!

Nach Ende einer Veranstaltung hatte ein aggressiver Gast, der zuvor des Geländes verwiesen worden war und Hausverbot erhalten hatte, die Polizei gerufen. Die Polizei forderte die Mitarbeiter*innen am Eingangstor zunächst ruhig dazu auf, alle im AZ Anwesenden zur Personalienkontrolle nach draußen zu schicken. Als diese Maßnahme als unverhältnismäßig zurückgewiesen wurde, drohten die Beamt*innen damit, dass eine Straftat, die angeblich stattgefunden habe, dann an den Mitarbeiter*innen hängen bleiben würde, sowie, dass sie diese dann durchsuchen und kontrollieren würde.

Da die Mitarbeiter*innen es nach wie vor verweigerten, die noch rund 20 Anwesenden im AZ kontrollieren zu lassen, und zum Teil ebenfalls die freiwillige Herausgabe der Personalien ablehnten, eskalierte die Polizei die bis dahin ruhige, Situation sofort. Zwei der Mitarbeiter*innen wurden körperlich angegriffen, mit übermäßiger Gewalt fixiert, mit Schlägen und Tritten traktiert.

Zunächst wurde einer der Mitarbeiter gewaltsam zu Boden gebracht und erlitt schon dabei so schwere Verletzungen, dass die Beamt*innen selbst sofort einen Krankenwagen riefen. Im Krankenhaus dokumentierte der diensthabende Arzt unter anderem eine Platzwunde im Gesicht, die genäht werden musste, sowie zahlreiche Schürfwunden und Prellungen. Besuche die seite  de.englishcollege.com.

Während der Behandlung und des gesamten Aufenthalts im katholischen Krankenhaus Mülheim befanden sich die beiden gewalttätigen Polizisten mit im Behandlungsraum. Sie verließen ihn auch auf ausdrückliche Bitte des Betroffenen nicht und wurden auch vom Arzt oder anderem Krankenhaus Personal nicht dazu aufgefordert. Im Gegenteil wurde der Betroffene mehrmals mit den Beamten allein gelassen, während sich das Krankenhauspersonal anderen Patienten widmete. Damit wurde die ärztliche Schweigepflicht und somit grundlegende Rechte von Patient*innen gebrochen.

Auf der anschließenden Fahrt zum Essener Polizeipräsidium kam es zu weiteren Misshandlungen. Aufgrund der viel zu eng auf dem Rücken angelegten Handschellen war es dem Betroffenen nur möglich, in vorgebeugter Position auf dem Rücksitz zu sitzen, weshalb sich sein Kopf auf Höhe der Beifahrerkopfstütze befand. Unvermittelt sprach ihn der Fahrer an: „Was guckst du so blöd“ und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Der AZ Mitarbeiter wandte sich an den zweiten Polizisten auf der Rückbank und fragte ihn, was er vom Verhalten seines Kollegen halte. Statt einer Antwort fixierte ihn dieser für den Rest der Fahrt an der Seitenscheibe, indem er einen Schmerzgriff an Hals und Kiefer anwendete. Zusätzlich bedrohten die Polizisten ihn weiter und versuchten ihn u.a. durch rechte Äußerungen zu provozieren.

Die zweite betroffene AZ-Mitarbeiterin wurde mit dem Satz „Die Perle packen wir auch noch ein“ ebenfalls gewaltsam auf dem Boden fixiert und abgeführt. Sie erlitt leichte Verletzungen und war im Gewahrsam den sexistischen Praktiken der Polizei ausgeliefert. Bei offener Zellentür musste sie sich im Gegensatz zu ihrem Männlichen Kollegen bis auf die Unterhose entkleiden und war dabei auch den Blicken männlicher Beamter ausgesetzt. Bis zum Ende des Gewahrsams erhielt sie einen Großteil ihrer Kleidung, z.B. ihre Stoffhose, nicht zurück. Außerdem weiteren die Mitarbeiter*innen weiteren polizeilichen Maßnahmen ausgesetzt. So wurde ihnen z.B. unter körperlichem Zwang Blut entnommen. Gegen Mittag wurden beide aus dem Gewahrsam entlassen.

Das Autonomen Zentrum begreift diesen überzogenen Polizeieinsatz als Angriff und gezielte Schikane gegen ein linkes Jugendkulturprojekt. Es ist offensichtlich, dass diese plötzliche Eskalation der Beamt*innen eine Reaktion darauf ist, dass weder die zunächst vorgeschobene Freundlichkeit, noch die folgenden Drohungen uns dazu bewegen können, eine solch absurde Kontrollmaßnahme in unseren Räumlichkeiten durchführen zu lassen. Dieser Vorfall ist beispielhaft für die immer offener zutage tretenden rechten Gesinnungen innerhalb der Polizei, der selbstbestimmte und politische Orte wie das AZ ein Dorn im Auge sind. Während immer wieder rechte Netzwerke und Gruppierungen innerhalb der Polizei bekannt werden, verschärft der Staat kontinuierlich die Polizeigesetze, wie erst letztes Jahr in NRW. Wir halten eine öffentliche Diskussion hierüber für notwendig und mehr als überfällig.

All das sehen wir als Teil des fortschreitenden gesellschaftlichen Rechtsrucks. Diesem gilt es entschlossen entgegen zu treten. Wir werden uns in unserer kulturellen und politischen Arbeit im AZ von solchen Polizeimaßnahmen nicht einschüchtern lassen, und auch in Zukunft für freie Kultur und gegen jegliche menschenfeindlichen Umtriebe arbeiten.

Gegen Polizeigewalt und autoritäre Formierung!

Nächsten Samstag (15.06.) soll es am Nachmittag eine Demonstration in Mülheim gegen Polizeigewalt geben. Achtet auf Ankündigungen!

 

Pressemitteilung vom 09.06.2019

Am frühen Morgen des 8. Juni ist es auf dem Gelände des AZ Mülheim zu einem gewalttätigen Polizeiübergriff gekommen. Dabei wurden zwei Mitarbeiter*innen verletzt und in Gewahrsam genommen. Im weiteren Verlauf kam es zu Misshandlungen, rechten Äußerungen und sexistischem Verhalten seitens der Beamt*innen.

Nach Ende einer Veranstaltung hatte ein aggressiver Gast, der zuvor des Geländes verwiesen worden war, die Polizei gerufen. Diese forderte die Mitarbeiter*innen zunächst ruhig dazu auf, alle Anwesenden zur Personalienkontrolle nach draußen zu schicken. Als diese unverhältnismäßige Maßnahme hinterfragt wurde, eskalierte die Polizei die Situation unmittelbar, indem sie zwei der Mitarbeiter*innen körperlich angriff und mit übermäßiger Gewalt fixierte.
Zunächst wurde Herr O. gewaltsam zu Boden gebracht und erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass die Beamt*innen sogleich einen Krankenwagen rufen mussten. Im Krankenhaus dokumentierten die Ärzte unter anderem eine Platzwunde im Gesicht, die genäht werden musste, sowie zahlreiche Schürfwunden und Prellungen. Auch auf der anschließenden Fahrt zum Essener Polizeipräsidium kam es zu weiteren Misshandlungen. Die Polizist*innen nutzten unter anderem Schmerzgriffe und schlugen Herrn O. sogar noch, als er bereits gefesselt war. Außerdem bedrohten sie ihn und versuchten ihn durch rechte Äußerungen zu provozieren.

Die AZ-Mitarbeiterin Frau L. wurde mit dem Satz „Die Perle packen wir auch noch ein“ ebenfalls gewaltsam auf dem Boden fixiert und in Gewahrsam genommen. Sie erlitt leichte Verletzungen und war im Gewahrsam den sexistischen Praktiken der Polizei ausgeliefert. Bei offener Zellentür musste sie sich entkleiden und war dabei den Blicken der männlichen Beamten ausgesetzt. Im Gegensatz zu Herrn O. durfte sie einen Großteil ihrer Kleidung bis zum Ende des Gewahrsams nicht wieder anziehen. Gegen Mittag wurden beide aus dem Gewahrsam entlassen, click here now.

„Ich verurteile die Polizeigewalt gegen unsere Mitarbeiter*innen aufs Schärfste und fordere dienstrechtliche Konsequenzen für die gewalttätigen Beamt*innen.“, so der Vorsitzende des AZ-Trägervereins Stefan Gassner. „Es kann nicht sein, dass rechtsgerichtete Polizist*innen ungestraft ein Exempel an Andersdenkenden statuieren können. Eine öffentliche Diskussion über die demokratiefeindlichen Strukturen innerhalb der Polizei, sowie immer härtere und grundgesetzfeindlichere Polizeigesetze, ist längst überfällig.“

Wir als Mitarbeiter*innen des Autonomen Zentrums sind entsetzt über diesen unverhältnismäßigen Polizeieinsatz. Wir begreifen diesen polizeilichen Angriff als gezielte Schikane gegen ein linkes Jugendkulturprojekt. Dieser Vorfall ist beispielhaft für die immer offener zutage tretenden rechten Gesinnungen innerhalb der Polizei.

Kontakt: presse@az-muelheim.de

Pressemitteilung als PDF

 

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Ermöglichen – So geht das. Prekär Bestehendes stärken. (Videomitschnitt)

Ein Küchen-Abend über Strukturförderung zum Informations- und Gedankenaustausch mit allen Interessierten. Joscha Hendricksen (Netzwerk X), Stefan Schroer (DU-Kultur/Netzwerk X) und Sarah Berndt (DU-Kultur/Netzwerk X) sitzen in der Küche und reden über Geld. Und wie und wo und wem es vor allem fehlt und warum vielleicht, welche negativen Folgen dies für junge und alte freie sozio-künstlerische Gruppen, Initiativen, Orte und für die in solchen autonom erschaffenen Strukturen engagierten Menschen hat und wie dies zu ändern wäre, übrigens recht leicht und relativ günstig, learn more.

Teil 2:

Mit dem Thema Strukturförderung beschäftigen wir uns bereits seit mehreren Jahren – als Resultat praktischer Erfahrungen und kritischer Auseinandersetzungen mit bestehenden Förderstrukturen für freie Kunst und Soziokultur.

Und zuletzt in und für Duisburg die konkrete Frage: Was tun?

DU erhälst(st) Kultur | (c) Anna Irma Hilfrich
www.du-kultur.de

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„Keine Nazis, bitte!“ Wenn die Rechten rauskommen – am Beispiel Essen-Steele

Sind es nun Nazis oder nur Macker, Reaktionäre oder Identitäre, besorgte Bürger oder Schlägertrupps? „Wer Teil des Problems ist, sieht es wohl nicht,“ sagt die Aktivist*in. „Von der Tastatur aus habe ich den Überblick,“ ruft die Kommentator*in. „Ideologie bildet eine Totalität, deren Negation praktisch nicht zu leisten…“, eröffnet die Überflieger*in.
Was das mit Nazis in Essen-Steele zu tun hat? Denken sie selbst!

Seit Wochen demonstrieren Menschen gegen die sog. „Steeler Jungs“ und da Probleme in denen Menschen vorkommen sich nie allgemein, sondern immer nur spezifisch bearbeiten lassen, dokumentieren wir im folgenden drei Redebeiträge von der Demo gegen die sog. „Steeler Jungs“ am letzten Donnerstag, den 21.03.2019. 

 
im Alibi-Essen, Holzstr.12, Essen
DI., 26. MÄRZ UM 19:00

 

#1
So viele Nazis. Auch wenn die meisten nicht so genannt werden wollen. Die meisten? Naja. Einige schon. Der Mann von heute gibt sich Mühe, seine fragile Ekligkeit in Faschokutten zu tragen. Ob nun Identitäre oder sog. autonome Nationalisten, ob nun besorgte Bürger, Mütter gegen Gewalt, Hooligans gegen Salafisten oder sonstwas… Die Decke der Verstellung ist dünn. Unter ihr stets der selbe alte braune Matsch aus Rassismus, ,weiße Rasse über alles‘ oder als Tradition bezeichnete Frauenfeindlichkeit. Und jetzt also die Steeler Jungs. Nicht schon wieder. Nicht, dass wir es nicht wertschätzen können, dass sie sich tarnen müssen, weil sie Anschluss finden wollen. Sie verlassen sich auf die schweigende Mehrheit. Doch die existiert nicht. Es existiert nur Angstmache und offene Gewaltandrohung: ,vor Zecken schützen‘ stand auf dem Karnevalswagen der Steeler Jungs. Und wer nicht weiß, wer das ist: das sind die Gutmenschen. Jede, die sich für andere einsetzt. Jede, die hilft, jede, die nicht rassistisch ist. Jede, die das Töten an den europäischen Grenzen Mord nennt und so viele mehr… Es ist nicht schwer sich vorzustellen, welche Welt möglich ist, wenn gut ein Wort für böse ist.

Sie gehen also spazieren. Wenn also große Gruppen von Mackern in Gruppen herumlaufen, heißt das plötzlich Spaziergang. Ohne jede politische Botschaft. Selbstredend. Spart euch eure peinlichen Insiderwitze. Eure peinlich ausgedachte Pseudo-Taktik. Die Steeler Jungs sind noch peinlicher als die Identitäre Bewegung und das muss Mann erstmal schaffen.

Aber wenn ihr schon nichts sagt, dann können wir ja gucken. Ok, ihr seht aus wie eine Prügelgang, nen Mackerclan, nen Schlägertrupp… Und jetzt denkt mal nach? Wenn so ne Macker-Gang durch die Straßen zieht, was löst das aus? Das macht Angst. Also: Für die eine Person, die noch denkfähig ist: lauf nicht mehr mit. Und noch eins: Geschlechtergetrennte Gruppen sind auch nicht unser Ding. Wir sind alle nen bisschen Frauen und Männer – Mädels und Jungs – mit nen bisschen Lust oder Kunst oder Kuchen findet ihr das auch raus.

Wir sind heute hier, weil das so nicht geht. Wir werden mit allem was zur Verfügung steht, dafür sorgen, dass ihr euch nicht organisiert, dass ihr euch nicht zusammentut, dass ihr nicht mehr marschiert, dass ihr zweifelt und was anderes, was besseres macht.

Wir sind auch hier, weil wir eine ganz andere Zukunft im Sinn haben als eine ethnopluralistische (so heißt Rassismus heute), identitäre (so heißt Rassismus heute), echt männliche (so hieß Frauen- und Queerfeindlichkeit schon immer) und anti-gutmenschliche (so heißt Faschismus heute).

Wir arbeiten für eine solidarische, liebe- und lustvolle, queere, feministische Gesellschaft, ohne Staat und Nation, über bestehende Grenzen hinweg, zu einer Welt ohne Grenzen. Unsere Revolution ist eine zwischenmenschliche und selbst-organisierte – gegen Ausbeutung und Krieg, gegen den Kapitalismus. Diese Welt gehört uns.

 

#2
Seit Monaten treffen sich die Steeler Nazis öffentlich um ,ihren“ Stadtteil vor ,Zecken“ (das ist Nazijargon fiir Andersdenkende) zu schützen. Doch wer sind diese ,,Jungs“?

Eine Gruppe von Machotypen, die sich vor allem aus dem gewalttätigen Hooliganmilieu rekrutiert und von einem Bandido angeführt wird. Die Bandidos sind eine Rockergruppe aus der organisierten Kriminalität und machen Geschäfte mit Zwangsprostitution, Schutzgelderpressung, Drogen- und Waffenhandel.  Während im. Essener Norden mit harter Hand gegen sogenannte ,arabische Clans“ vorgegangen wird, um hier und da etwas unversteuerten Shishatabak zu finden, verfügen die Steeler Bandido-Nazis offenbar tuber ein freundschaftlicheres Verhältnis zur Polizei: Hier posiert man gemeinsam für Erinnerungsfotos. Ein beunruhigendes Signal im Angesicht nicht endender Naziskandale in deutschen Behörden. Stichworte: Verfassungsschutz & NSU, Polizei & NSU 2.0, Bundeswehr & Uniter e.V., usw…

Man stelle sich vor, 100 nicht-weiße oder nichtdeutsche Männer wiirden Woche für Woche durch Steele marschieren um ihren Machtanspruch zur Schau zu stellen. Es gäbe längst Razzien, Einsätze von Polizeihundertschaften, Besuche vom Innenminister Reul sowie Bild-Schlagzeilen und TV-Dokus über die unhaltbaren Zustände. Hier entlarvt sich nicht nur der Faschismus der Steeler Hooligans sondern auch der Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Mit etwas Fantasie kann man sich ebenfalls vorstellen, wer die kriminellen Machenschaften im Essener Norden übernehmen wird, wenn die Polizei es dort schafft diesen Geschäftsbereich ,ausländerfrei“ zu bekommen (man mochte nicht sagen zu ,»arisieren“). Also einen Tattoo-Shop haben die Bandidos bereits am Viehofer Platz und der nahegelegene Naziladen Oseberg steht ebenfalls unter ihrem Schutz.

Wir wenden uns gegen alle unterdrückerischen, kapitalistischen und patriarchalen Strukturen: Egal ob mafiöse Rocker, reaktionäre Familienclans, rechte Bürgerwehren, die Polizei oder ausbeuterische Arbeitgeber.

Wir arbeiten für eine solidarische Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt und unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Glauben miteinander leben. Dafür müssen wir aufeinander zugehen, unsere Erfahrungen und Ressourcen teilen,Privilegien und Vorurteile abbauen und menschliche Beziehungen aufbauen.

Alle zusammen gegen den Faschismus!

#3
Liebe Mitmenschen,

ich bin Aktive bei AUFSTEHEN GEGEN RASSISMUS und dem ANTIRASSIMUSTELEFON Essen.

Das Antirassismustelefon1 gibt es in diesem Jahr seit 25 Jahren in Essen.
Hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter*innen beraten Betroffene von Alltags- oder institutionellem Rassismus. 

Es ist eine unabhängige Einrichtung von Essener Bürgerinnen und Bürgern, die gegen rassistisch-faschistische Ent­wicklun­gen und für das gleich­berechtigte Zusammenleben der unterschied­lichen Kulturen aktiv sind.

Ich stehe hier auch als Person, deren Familie hier aus Steele kommt.
Auch deshalb fühle ich mich hier und heute verantwortlich bei lautem Protest dabei zu sein.

Mein Name ist Anabel Jujol Hoppen.

Kein Doppelname weil ich verheiratet bin, sondern weil meine holländische Mutter eine spanischen Einwanderer geheiratet hat, was zu solchen langen Namen führt.

Die Familie Hoppen war eine große, kinderreiche Arbeiter*innenfamilie in Steele. 

Mein holländischer Urgroßvater Hoppen war als Migrant aus Holland gekommen und hatte 9 Kinder.
Fast alle arbeiteten schon von Kindesbeinen an in der Glashütte Wisthoff .
Alle haben die NS Zeit überlebt, aber, was viel wichtiger ist, fast alle haben diese Zeit hier in Steele verbracht und mussten, Gott sei Dank, nicht zur Wehrmacht, wegen Ihrer holländischen Pässe.

Mein Opa, der 2012 mit 94 Jahren gestorben ist, hat eindrucksvolle Geschichten erzählt, davon, wie er die NS Zeit und die Kriegsjahre hier in Steele erlebt hat:

Von der Nachbarin mit Parteibuch, die ihre Mitbewohnerinnen schikaniert und denunziert hat, weil sie sogenannte Vierteljuden waren.

Von Freunden, Kegelbrüdern, die nach Rechts rückten und davon, dass alle Männer auf seinem Hochzeitsfoto außer ihm, im Krieg gestorben sind, auch der 19 jährige Bruder Alfred meiner deutschen Oma.

Eine Geschichte hat mich als besonders traurig beeindruckt:

Eines Tages wurde mein Opa als jugendlicher Mann Zeuge, als eine kahlrasierte Frau in einem Karren durch Steele gezogen wurde – von grölenden NS-Männern. Sie war halbnackt und trug ein Schild um den Hals, erzählte mein Großvater: „Diese deutsche Frau schlief mit einer Judensau!“
Voller Angst und Scham hätte er sich in einem Hauseingang versteckt, berichtete er.

Die „Steeler Jungs“ laufen hier, heute und jeden Donnerstag anknüpfend an solche grauenvollen Traditionen.

Aus der Verbreitung von Angst und Schrecken ziehen sie ihre Identität und ihr Selbstwertgefühl.

Ein trauriges Leben.

Für Menschen, die wegen beliebiger Merkmale in das „Beuteschema“ dieser faschistoiden Personen passen, ist das ein untragbarer Zustand, dass sie sich womöglich, nicht nur jeden Donnerstag, in Hauseingängen verstecken müssen. Dass 2019 Menschen wieder Angst haben müssen, vor rassistischer Gewalt in Steele und anderswo, ist unerträglich. Dass Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind, aber solidarisch sind oder unfreiwillig zu Zeugen werden, ebenso Angst haben sollen und müssen ist nicht hinnehmbar.

Wer stellt sich dazwischen, wenn ein Steeler Junge die Drohung (auf dem ach so lustigen Karnevalswagen) wahr macht und seine Faust erhebt, gegen die Person, die er für eine Zecke hält?

Verstecken Sie sich auch in einem Hauseingang?

Ich, wir alle hoffentlich, stehen heute hier gegen die Angst und für den Mut sich Rassismus und faschistischer Gewalt in den Weg zu stellen.
Solidarisch oder als Betroffene oder Beides.
Wir drehen uns nicht weg und weichen nicht vom Fleck!
Wir sind hier und laut!

Für eine Gegenwart und eine Zukunft in Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit!

ALERTA ALERTA ANTIFASCISTA!

1www.antirassismutelefon-essen.de

 

DI., 26. MÄRZ UM 19:00

Hier findet ihr noch den mindestens ebenso lesenswerten Redebeitrag des Bündnisses „Essen stellt sich quer“

Redebeitrag zum Internationalen Tag gegen Rassismus

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Offenes Netzwerk X Treffen am 14.4. um 14 Uhr im Nordpol

Das Netzwerk X verbindet seit 2011 künstlerische und soziale Initiativen. Die Netzwerk X Treffen sind ein offener Gesprächsort für alle interessierten Gruppen und Einzelpersonen, ob sie im Netzwerk X organisiert sind oder nicht.

Zuletzt fand eine „Konferenz der kleinen Orte & freien Kollektive“ statt bei der Gruppen aus dem ganzen Ruhrgebiet, NRW und darüber hinaus zusammen trafen.
Akutelle Themen des Netzwek X sind: Unsichtbare Arbeit im kunstsozialen Bereich, politische Interventionen the architecture design und transkulturelle Praxis. Dauerthemen sind Kunst- und Kreativ-kapitalistische Ideologien, wie sie z.B. im Konzept der ,Kreativ.Quartiere‘ auch in der Dortmunder Nordstadt Anwendung finden.

Um 19 Uhr findet im Nordpol eine Lesung von Die Joscha Hendrix Ende statt. Noch ein Grund mehr den ganzen Tag mit uns zu verbringen.

 

Bericht von der Konferenz der kleinen Orte & freien Kollektive

Konferenz der kleinen Orte & freien Kollektive – Feb. 2019 in Oberhausen

Das war schön und erkenntnisreich! In entspannter Atmosphäre diskutierten, naschten, planten und vernetzten wir uns am Wochenende 23./24.02.2019 im Unterhaus und kitev-Turm in Oberhausen.

An beiden Tagen waren jeweils ca. 40 Personen aus Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Essen, Witten, Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Köln und sogar Bremen zu diesem Zweck angereist. 

Beide Tage begannen und endeten mit einem Plenum, in dem wir uns einander und die Themen des Tages vorstellten, und die KÜFA des Unterhauses versorgte uns mit vorzüglichem Abendessen (zusätzlich zu den veganen Zimtschnecken).

Am Samstag fanden drei Gesprächskreise parallel statt.

Im ersten „In kunstsozialen Orten“tauschten wir uns über die jeweilige Struktur unserer selbstorganisierten Orte aus und darüber, welcher Antrieb dahinter steckt , fragten nach Kooperations- und Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Aktiven (vor Ort und darüber hinaus) und hielten Problematiken mit Stadt/Verwaltung/Behörden fest. Das Vorhandensein und daraus folgend die Sichtbarkeit der einzelnen kunstsozialen Orte ist schlussendlich auch an die Frage nach Geld geknüpft und woher es kommt. Wir vertagten dieses Thema und die Frage, wie lange wir noch so professionell, aber prekär arbeiten können, auf den Sonntag – „Strukturförderung als Kunst Kontext Förderung“.

Im zweiten „Wie weit geht’s draußen?“versuchten wir uns Orientierung zu verschaffen über die Möglichkeiten künstlerischer und politischer Aktion im öffentlichen Raum. Mit geballter Kompetenz im Raum gelang es, spezifisch und konkret zu werden: Was passt zu welchem Zweck? Wie verbindet sich Kunst und Politik? Kommt darauf an!

Im dritten Gesprächskreis „Schon da…“tauschten ein Dutzend Kunst-Sozial-Aktive ihre Erfahrungen zur Arbeit mit Migrant*innen (insb. Geflüchteten) aus. Dass diejenigen, über die gesprochen wurde, selbst nicht mitsprachen, weil sie auf der Konferenz nicht anwesend waren, markierte bereits ein zentrales Problem: Die Diversität, die längst (im Ruhrgebiet schon länger) gesellschaftliche Realität, schlicht alltäglich ist, ist dies in kulturellen und auch in sich progressiv verstehenden kunst-sozialen Kreisen noch immer nicht. In den Initiativen, welche die miteinander Sprechenden vertraten, ist dies zumindest etwas anders. So gab es doch auch diverses Erfahrungswissen, das geteilt und gemeinsam reflektiert wurde. Insbesondere aber wurden Fragen und Vorschläge formuliert, deren Adressat*innen die Stadtgesellschaften, die Politik, die Migrant*innen sind – und als kritisch befragte nicht zuletzt wir selbst: wir in unseren je lokalen Initiativen und auch wir, das Netzwerk X.

Der Abend endete zur allgemeinen Erheiterung mit einer Orgie. Vorgetragen als szenische Lesung von Veronika Kracher und Daniel Degeest („The Cummunist Manifisto“).

Am Sonntag begrüßten wir die neu Dazugekommenen, stellten uns kurz vor und teilten uns dann in zwei Gruppen.

Im kitev-Turm wurde zum Thema „Strukturförderung als Kunst Kontext Förderung“ intensiv entlang kulturpolitischer Strukturen, daraus resultierenden Sachzwängen und bereits errungenen sowie in Zukunft erringbaren Freiheitsgraden durch solidarische Praxis diskutiert. Im zweiten Teil des Gesprächs wurde das vom Netzwerk X seit 2 Jahren als work in progress erarbeitete Konzept einer „Kunst-Kontext-Förderung“ fokussiert: als ein an das Land NRW zu richtender und/oder je lokal politisch einzubringender kulturpolitischer Vorschlag.
Die Diskussion nahm sowohl die Möglichkeit eines relativ pragmatischen Vorgehens in den Blick: die von nahezu allen freischaffend (sozial-)künstlerisch Aktiven https://lifefamilyjoy.com/ aus eigener Erfahrung geteilte Einsicht in die Sinnhaftigkeit eines solchen, zwischen den Polen institutionelle Förderung und Projektförderungen angesiedelten, Förderinstrumentes, auf welche mit formell schon bestehenden Förderinstrumenten – z.B. städtischen Kulturbeiräten, die neben Projektanträgen auch solche auf strukturelle Förderung beraten und bescheiden – zu reagieren wäre; dies politisch einzufordern könnte zumindest auf lokaler Ebene argumentativ und kulturpolitisch-praktisch relativ einfach zu beginnen sein. Sie fokussierte aber auch die Probleme und Gefahren, die eine solche pragmatische Verkürzung mit sich bringt: dass der in den Vor-Arbeiten des Netzwerk X stets mitbedachte emanzipatorische Anspruch, der nicht auf beliebige Strukturen, sondern explizit auf solidarische, gesellschaftlich und politisch progressive sozial-künstlerische Praxen und die Kontexte ihrer Ermöglichung abzielt, im Prozess der Durchsetzung und Umsetzung einer lokal oder regional installierten Strukturförderung verloren geht. Zudem wurde auch die Frage (Sorge) erörtert, inwieweit (insb. bildende) Künstler*innen, die ihre Kunst-Praxis als individuelle begreifen und betreiben, im Modell einer Kunst-Kontext-Förderung vorkommen oder ob dieses Modell gar die Autonomie ihrer bzw. der Kunst in Frage stellt.
Inzwischen ist der Videomitschnitt einer Veranstaltung zum Thema Strukturförderung, die das Netzwerk X in Kooperation mit der Initiative DU erhält(st) Kultur am 30. November 2018 in Duisburg veranstaltete, online zu sehen. Teil 1 führt in die Thematik ein, Teil 2 zeigt den Versuch einer lokalen Debatte. Zu sehen sind beide Filme auf der Website von => DU erhält(st) Kultur

In der zweiten Gruppe ging es um linke Ladenprojekte. Ein Bericht hierzu ist bereits auf dem Recht-auf-Stadt-Ruhr-Blog => Realize Ruhrgebiet erschienen.

Erschöpft, aber glücklich verabschiedeten wir uns am Sonntag Abend mit informativen und performativen Teilen der gewonnenen Widersprüche, Fragen und Perspektiven – mit der flüssigen Absicht, dies nochmal zu machen.

Wir bedanken uns bei kitev und dem Unterhaus-Team für die Beherbergung und Bewirtung und bei der LAG Soziokultur NW für die Unterstützung und damit Ermöglichung dieser Konferenz. Und insbesondere danken wir allen, die an der Konferenz teilgenommen haben und hoffen, Euch beim nächsten Mal für Eure Arbeit bezahlen zu können!

Der Fürsprecher*innenkreis des Netzwerk X sowie weitere an der Organisation Mitwirkende


Was machen? Termine…

Erstes Ergebnis unserer Konferenz ist ein kleiner Terminüberblick, den wir von den Teilnehmer*innen gesammelt haben.


27.2. Recht auf Stadt – Ruhr offenes Netzwerktreffen im 47 in Duisburg
27.2. Offene Probe der Opera „academia“ in Düsseldorf
1.3. Stammtisch des Schützenkorps Europa in Düsseldorf
6.3. Hafeninitiative Dortmund / Rekorder
Planung für Träume unter Asphalt Demo im Mai
7.3. Offenes Plenum im Alibi, Essen
8.3. Internationaler Frauen*Streik Tag
15.3. Antirassistische Begegnung in Essen
30.3. Re-Enactment des Generalstreikaufrufs vor 100 Jahren in Essen
30.3. Deutsche Revolution 1919-23 – Vortrag in der Alten Mitte, Essen
30.3. Puking Unicorns – Soliparty für Seenotrettung im AZ Mülheim
1.-7.4. Utopie Woche Soziokulturelles Zentrum in Duisburg
14.4. Offenes Netzwerk X Treffen in Dortmund
1.5. „Die Rechte“ blockieren in Duisburg
17.-19.5. Recht auf Stadt Forum in Hamburg
21.-23.6. Queerfeministisches (FLTI*) Sommercamp in Mülheim

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Programm „Konferenz der kleinen Orte & freien Kollektive“

Programmentwurf – hier geht’s zu allen übrigen Infos

„Konferenz der kleinen Orte & freien Kollektive“
Ankommen im Unterhaus – Friedrich-Karl-Str.4, Oberhausen
Hier geht’s zum übersichtlicheren PDF Link zum Pdf

Samstag, 23.02.2019

13.30 Uhr Ankommen
14 Uhr Vorstellen, Kennenlernen, Erfahrungsaustausch
16.30 Uhr Drei Gesprächsrunden

In kunstsozialen Orten!
Sichtbarkeit, Kooperation, (Selbst-)Organisation, Struktur

Wie weit geht’s draußen?
Performance, Musik, Aktionen & Interventionen im öffentlichen Raum

Schon da…
Transkulturell, postmigrantisch, international zusammen-arbeiten.

19 Uhr Abschlussplenum mit Küche für alle
21 Uhr Rahmenprogramm:
Szenische Lesung „The Cummunist Manifisto“ von Veronika Kracher & Daniel Degeest
Im Anschluss: gemeinsamer Ausklang

Sonntag, 24.02.2019

13.30 Uhr Ankommen
14 Uhr Vorstellen

15 Uhr Zwei Gesprächsrunden

Kunst-Kontext-Struktur-Förderung bzw. Arbeitsbedingungen und Verhältnisse

In kunstsozialen Zusammenhängen wird zu viel umsonst gearbeitet. Das Netzwerk X hat im Rahmen des Projekts „Wem Gehört Die Kunst“ Vorschläge zu einer Strukturförderung für kleine Orte und freie Kollektive entwickelt. Diese stellen wir vor und zur Diskussion.
Kulturpolitik in NRW? Feministische Perspektiven? Prekarität? (Selbst-)Organisation? Kampagnen? Kunst als Gesellschaftsarbeit? Individualität, Autonomie, Kreativität, Kapitalismus – was machen wir?
Welche Aktionen stehen an?
Wie vernetzen wir uns in Zukunft?

Linke Politik & Aktivismus in selbstverwalteten Initiativen & Ladenprojekten

Wie können wir Freiräume erkämpfen und langfristig erhalten? Förderungen beantragen oder lieber „unabhängig“ bleiben?
Wie klappt das eigentlich mit der Aktivierung von Bewohner*innen im Stadtteil: ein bisschen Spaß und Subkultur oder doch reiner politischer Anspruch?
Mit der Stadt verhandeln oder gegen die Stadt arbeiten (warum und wie?) Wie wirksam Eingreifen in Stadtentwicklungspolitik (Bsp.: Hafen Dortmund, Innenstadt Bochum, etc.)
Welche Aktionen stehen an?
Wie vernetzen wir uns in Zukunft?

19 Uhr Abschlussplenum / im Anschluss: gemeinsamer Ausklang im Unterhaus mit KÜFA

*Damit die Themen im Vordergrund stehen und wir eine produktive Konferenz haben wünschen und erwarten wir eine offene und respektvolle Diskussionskultur, see post. Aggressives Redeverhalten, sexistische, rassistische und homophobe Ausfälle, selbstgefälliges Dozieren oder unangekündigte Koreferate sind ausdrücklich nicht erwünscht.

Wenn ihr ankommt, kommt zum Unterhaus!
Kontakt: konferenz@netzwerk-x.org / 017670844403

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Konferenz der kleinen Orte & freien Kollektive (23.2 /24.2.19)

Liebe Lesende!

-> Hier geht’s zum Programm -> Web / Pdf

Am vierten Februar-Wochenende 2019 (23.2 /24.2.19) möchten wir eine „Konferenz der kleinen Orte und freien Kollektive“ zusammenrufen. Wir laden alle Betreiberinnen von Off-Spaces und Ladenprojekten sowie alle Künstlerinnengruppen und soziokulturell politisch arbeitenden Gruppen in den Kitev-Turm nach Oberhausen ein. Wir bringen unsere Kompetenz in Sachen Kulturpolitik mit und stellen euch unseren Entwurf einer solidarischen Kunst-Kontext-Struktur-Förderung vor. Wir geben euch Raum für eure Themen und Ideen, bieten Platz zum Verbinden und Diskutieren.

Mit dem „Netzwerk X – für Kunst & Soziales“ im Ruhrgebiet versuchen wir seit 2011, die Interessen der freien kunst-sozialen Zusammenhänge sichtbar und kulturpolitisch wirksam zu machen. Wir wissen, dass es in der täglichen Praxis zahlreiche lokal-spezifische Herausforderungen gibt, für die eine überregionale Lobby-Arbeit nachrangig ist. Es gibt aber auch viele strukturelle und inhaltliche Auseinandersetzungen, die uns verbinden. Zu diesen Gemeinsamkeiten gehören: kein Geld / Geldbeschaffung in Form von Anträgen, politisches Interesse und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der direkten Organisation von unten. Mit dem Netzwerk X (aktuell 53 Gruppen/Initiativen) haben wir diese Gemeinsamkeiten als FÜR-Thesen formuliert (netzwerk-x.org/fuer).

Mit dem Netzwerk X haben wir bereits einige Anläufe unternommen, um die selbstorganisatorischen Kräfte im Ruhrgebiet zu stärken. Unter anderem, indem wir uns bei etablierten Strukturen Gehör verschaffen und auf ihre Mitverantwortung verweisen. Die meisten kleinen Orte und freien Kollektive im Ruhrgebiet arbeiten unter prekären, selbstausbeuterischen Bedingungen, gleichzeitig sollen sie dem Versprechen von „Strukturwandel“ und „Kreativität“ dienen, mit denen das Ruhrgebiet gerne Werbung macht.

Zudem versuchen wir in einer marktwirtschaftlich konsumorientierten Gesellschaft ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von sozio-kultureller Praxis zu wecken.
Wir bitten euch das Wochenende freizuhalten! Je mehr Menschen dort zusammenkommen, je mehr Perspektiven sich dort kreuzen, desto besser können wir solidarische Beziehungsweisen entwickeln und eine kritische Selbstverständigung in Bewegung bringen.

Und weil das Ganze ein von der LAG-Soziokultur gefördertes Projekt ist, können wir euch für eure Teilnahme entschädigen*.

Wir freuen uns auf euch!

Das Fürsprecher*innenkollektiv des Netzwerk X
(netzwerk-x.org/fuer-sprecherinnen-kollektiv)

P.S.: Bitte leitet dies weiter, danke! (hier die Einladung – 6 Seiten – als pdf / odt / txt herunterladen)

Wie hoch diese Entschädigung ausfällt, hängt von der Anzahl der Teilnehmer*innen ab. Zudem werden Fahrtkosten erstattet & es gibt was zu Essen.

(diesen Anmeldebogen könnt ihr einfach in eine email kopieren und ausgefüllt an konferenz@netzwerk-x.org senden)

ANMELDEBOGEN
KONFERENZ DER KLEINEN ORTE & FREIEN KOLLEKTIVE

Absender (Name des Kollektivs / Orts):

Kontakt:

Ich will / wir wollen
mit ______Personen am Sa 23.2. von 14-20 Uhr*
und
mit _____ Personen am So 24.2. von 14-20 Uhr
teilnehmen

Anmerkungen / Wünsche / Ideen:

Möchte(s)t du oder ihr etwas bei der Konferenz anbieten oder in der Organisation mitarbeiten? Dann kannst du / könnt ihr jederzeit eine Mail an fuer@netzwerk-x.org schicken.

Bitte sendet den Anmelde-Bogen an konferenz@netzwerk-x.org. Da die Teilnehmer*innenzahl raumbedingt begrenzt ist, bitten wir euch, uns Änderungen (mehr oder weniger Personen / Absage) mitzuteilen.

  • Am Samstagabend wird es im Anschluss ein Abendprogramm im Unterhaus geben, zu dem ihr in jedem Fall eingeladen seid!

Ein Küchen-Abend über Strukturförderung | DU erhält(st) Kultur

Ermöglichen – So geht das | Teil 2: Prekär Bestehendes stärken – Ein Küchen-Abend über Strukturförderung | DU erhält(st) Kultur

Freitag, 30. November, 20 h
Lokal Harmonie, Harmoniestraße 41, DU-Ruhrort
um 20 Uhr – Eintritt frei

Wir laden ein zum Informations- und Gedankenaustausch in unsere Küche. Wir reden natürlich über Geld. Und wie und wo und wem es vor allem fehlt und warum vielleicht, welche negativen Folgen dies für junge und alte freie sozio-künstlerische Gruppen, Initiativen, Orte und für die in solchen autonom erschaffenen Strukturen engagierten Menschen hat und wie dies zu ändern wäre, übrigens recht leicht und relativ günstig.

Mit dem Thema Strukturförderung beschäftigen wir uns bereits seit mehreren Jahren – als Resultat praktischer Erfahrungen und kritischer Auseinandersetzungen mit bestehenden Förderstrukturen für freie Kunst und Soziokultur. (Siehe dazu unten – auch mit ein paar Vorab-Thesen.)

Zu dieser Erfahrung gehört auch, dass u.E. Naheliegendes und sich fast selbst Erklärendes recht schwierig zu vermitteln ist. Daher üben wir uns in öffentlicher Reflexion und Propaganda, nehmen uns die Zeit für kleine Vor- und Nebengeschichten, für inhaltliche Abgrenzungen zu Institutioneller Förderung, zu Projektförderung, zu Individueller Künstler*innenförderung und zum Bedingungslosen Grundeinkommen, reden und rauchen uns in dumme (“Selbsbereicherung”) und duch den Begriff Struktur mögliche (“da profitieren ja keine Menschen von”) Missverständnisse hinein und wieder heraus, lernen aus einem historischen Exkurs in Zeiten, da die Kommunen (insb. im Ruhrgebiet) noch nicht arm gemacht worden waren, sprechen mit Menschen, die (u.a. in einem von uns mit verantworteten Experiment) schon einmal von Strukturförderung profitiert haben, stellen die Systemfrage nur am Klavier, dafür einen von uns erarbeiteten landespolitischen Vorschlag vor und zuletzt in und für Duisburg die konkrete Frage: Was tun?

Zur Vorbereitung empfehlen wir die Lektüre aller Werke von Dietmar Dath sowie:

DU erhält(st) Kultur: Diskussionsvorlagen und Beschlüsse (hier: zu Session 3) der AG Kultur des Ermöglichens | Freiräume | Alternativen der 1. Duisburger Kulturkonferenz
(www.du-kultur.de/1-kulturkonferenz/)

Netzwerk X: 5 FÜR-Thesen – Für Strukturförderung von Kunst-Kontexten (www.netzwerk-x.org/thesen-fuer-strukturfoerderung/)

Projekt “Wem gehört die Kunst”, Teil II: Strukturförderung:
a) Ausschreibung | b) 10 geförderte Kunst-Kontexte
(www.wemgehoertdiekunst.de/phase-ii/10-kunst-kontexte)

Und dann:

Ermöglichen – So geht das. Teil 2: Prekär Bestehendes stärken
Ein Küchen-Abend über Strukturförderung

Freitag, 30. November, 20 h
Lokal Harmonie, Harmoniestraße 41, DU-Ruhrort

Eintritt: frei

Kommt vorbei!

Mit „Das Graue Gegenteil“ beim Blicke Festival

Seit Mai 2018 ist sie online, die Internetplattform das Graue Gegenteil des Netzwerk X – für Kunst und Soziales! Inspiriert vom 2017 veröffentlichten Dokumentarfilm „Das Gegenteil von Grau“ von Matthias Coers & Recht auf Stadt – Ruhr hat das Netzwerk X diese Internetplattform aufgebaut, um Filme über das Ruhrgebiet zu sammeln, die über die vielfältigen „Grauen“ berichten, die hier stattfinden. Habt ihr einen Film gemacht der zum Thema passt, den ihr bei uns verlinken wollt? Wollt ihr einen Film zum Thema machen? Habt ihr Fragen? Wir stellen unser Projekt während der Filmfestivaltage vor. Kommt vorbei. Macht mit. Persönlich sind wir bei der Festivaleröffung sowie am 23. und am 24. November von 17:00 bis 22:00 Uhr anwesend.“ dasgrauegegenteil.de

Am Samstag von 17-20 Uhr bietet Netzwerk X Mitbegründer*in Joscha Hendricksen zudem Beratung und Gespräche zu Kulturförderung, Kulturpolitik und kunstsozialer, prekärer, solidarischer Praxis im Allgemeinen für Alle an.

Wir freuen uns auf’s Blicke Festival und das tolle Programm, kommt zu uns <3

Ein paar Antworten der Kuratorin von Urbane Künste Ruhr zu Kunst, Geld, Politik

Mit dem Für-Sprecher*innenkollektiv des Netzwerk X haben wir ein paar Fragen an die Kuratorin von Urbane Künste Ruhr (UKR), Britta Peters, gestellt und aufschlussreiche Antworten erhalten zu Kunst, Geld und Politik.

X: Worüber denken Sie zurzeit nach?

Britta Peters: Ich denke über das nach, was ich gerade mache. Selbstkritisch, ob die getroffenen konzeptionellen Entscheidungen die richtigen sind, aber auch konstruktiv: Was wäre noch interessant hinzuzufügen? Oder umgekehrt, ich sehe oder höre etwas, das mich inspiriert und überlege dann, wie kann ich oder können wir gemeinsam damit weiterarbeiten, es mitaufnehmen? Abgesehen davon, bin ich – wie viele andere vernünftige Menschen auch – einigermaßen traumatisiert von der gegenwärtigen politischen Situation, von zunehmendem Nationalismus, Hass, Rassismus und einer unglaublichen Verantwortungslosigkeit und Brandstiftermentalität in den höchsten politischen Ämtern.

Welche Aspekte des Ruhrgebiets sind für ihre Arbeit besonders relevant?

Soweit ich das Ruhrgebiet bis jetzt kennengelernt habe, mag ich es sehr. Es gibt tolle Leute und eine extrem interessante, gesellschaftliche Ausgangslage: Die Region ist durch Industriearbeit entstanden und in jeder Hinsicht durch sie geformt. Wie entwickelt sie sich langfristig weiter, jetzt, wo dieser große Zusammenhang nicht nur hier, sondern in vielen Regionen der westlichen Welt wegfällt? Oder besser gesagt: Das ganze ökonomische Gefüge hat sich durch Digitalisierung und Billigproduktion maßgeblich verschoben. Was bedeutet das für das Leben in den ehemaligen Industrieregionen? Lassen sich Flächen zurückerobern, lässt sich hier ein gesellschaftliches Zusammenleben begründen, dass nicht auf eine Identifikation durch Arbeit fixiert ist? Kann die vernetzte Region eine Antwort auf Gentrifizierungsprobleme geben, wie sie in den „Superstar“-Städten entstehen?

Wie wichtig ist ihres Erachtens die Selbstorganisation der freien Kunst- und Kulturszene?

Die freie Szene ist wichtig und auch der Zusammenschluss ist wichtig, um Forderungen durchzusetzen. Im Detail unterscheiden sich die Bedürfnisse und Ziele der einzelnen Künstler* innen und Gruppen dann vermutlich doch auch erheblich. Da muss man ein bisschen gucken, dass nicht neue Normen entstehen, die einschränkend wirken, zum Beispiel die Norm kommunikativ sein zu müssen und kollektiv zu arbeiten. Das zu wollen/zu können ist einfach nicht für jede*n gleichermaßen gegeben, Raum für ein gewisses Eigenbrötlertum gehört für mich genauso zu den potentiellen Bedingungen einer künstlerischen Produktion dazu wie der gemeinsame Austausch.

Die Innenstadträume werden aus kommerziellen Gründen als öffentliche Räume zurückgedrängt. Während in Duisburg ein generelles Alkoholverbot soeben gerichtlich verhindert werden konnte, ist in Essen gar „Vortäuschung künstlerischer Darbietung“ untersagt. Welche Rolle kann Kunst spielen, um dieser Entwicklung zu begegnen?

Das Gesetz zur „Vortäuschung künstlerischer Darbietung“ in Essen kenne ich noch gar nicht, das scheint mir eine konzeptionelle Steilvorlage für ein schönes, künftiges Projekt zu sein! Ansonsten sehe ich die Möglichkeiten von Kunst darin, Räume zu öffnen, wie wir es zum Beispiel gerade in Duisburg-Rheinhausen mit der Installation von Peggy Buth in der profanierten St. Barbara Kirche erlebt haben, und temporäre oder permanente öffentliche Räume zu schaffen. Durch temporäre Projekte entsteht zumindest eine Idee, wie ein Ort genutzt werden könnte, und selbst wenn danach alles zunächst wieder auf Null zu fallen scheint, spukt diese Vision dann durch sehr viel mehr Köpfe. Ein Projekt kann ein schmerzhaftes Vakuum hinterlassen, das im Idealfall aber auch vor Ort genügend Kräfte weckt, etwas Neues anzugehen und einzufordern.

Das Ruhrgebiet ist ein nur gedanklich verknüpftes Konglomerat konkurrierender Städte. Als Gegengewicht wird viel in Image-Kampagnen gesetzt. Wie sehen sie die Rolle von UKR innerhalb dieser Image-Kampagnen?

Ich bin Kuratorin mit einem eindeutigen Background in der langjährigen Beschäftigung mit Kunst/Kunst im öffentlichen Raum. Das heißt, ich denke erst einmal in Projekten und an künstlerische Positionen und entwickele meine Konzeption nicht unter Marketinggesichtspunkten. Punktuell schließen wir uns dann jedoch durchaus mit den Inhalten dieser Image-Kampagnen kurz, zum Beispiel im Hinblick auf den Ausbau- und die Nutzung der Fahrradwege, den ich für sehr sinnvoll halte .

Wenn Sie wählen müssten zwischen dem Wahren, Schönen & Guten und Negation, Kritik & Dekonstruktion, was würden Sie tun?

Diese Frage finde ich falsch gestellt, weil sie polarisiert, wo keine Polarisierung notwendig ist.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, langfristige Effekte durch ihre Arbeit zu erzielen?

Im großen Ganzen geht es mir darum, Zusammenhänge zu schaffen: ästhetische, räumliche, soziale und politische Zusammenhänge, genauso wie einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen „Kunst“ und „Leben“. Wenn es uns gelingt, das Projekt „Materialverwaltung an der Ruhr“ zu etablieren, schaffen wir damit auch einen sehr handfesten und ökologisch sinnvollen Beitrag für die Kulturproduktion vor Ort. Von der Einrichtung dieses gemeinnützigen Fundus würden alle profitieren, angefangen bei den Schulen und der freie Szene bis hin zu den großen Institutionen, die ebenfalls als Geber und Nutzer eingeplant sind und weniger wertvolle Materialien einfach so wegschmeißen müssten.

Im Ruhrgebiet herrscht eine gewisse Gereiztheit in Bezug auf den Import von Projekten aus Berlin, Hamburg oder zuletzt auch Köln mit der Begründung, dass statt lokale Entwicklungen zu stärken „UFOs“ eingeflogen werden – wie begegnen Sie dieser Kritik, die in der Vergangenheit auch UKR entgegengebracht wurde?

Ich fühle mich aufgrund meiner eigenen Arbeitsweise davon erst einmal etwas weniger angesprochen.

In Zeiten immer offener und selbstbewusster hervortretender rechter Politik wird die unmittelbare Auseinandersetzung immer unausweichbarer – welche Rolle kann Kunst in diesem Zusammenhang übernehmen und inwieweit ist diese konkret antifaschistisch denkbar?

Komplex bleiben erscheint mir sehr wichtig: Klar Position beziehen, aber keine Selbstzensur der künstlerischen Inhalte.

Wie können Künstler*innen aus dem Ruhrgebiet an Sie herantreten, um gemeinsame Projekte mit UKR zu entwickeln?

Ich gucke mir vieles an, bin eigentlich recht offen und kenne auch bereits ein paar tolle Projekte und Projekträume. Ansonsten ist das Ganze ein von meinen künstlerisch/kuratorischen Interessen geleiteter Prozess. Dadurch entsteht das Profil und darin mache ich mich natürlich auch angreifbar. Das klingt für euch jetzt vielleicht nicht besonders attraktiv, aber ist für mich gerade im Hinblick auf das Herstellen von Zusammenhängen gar nicht anders denkbar. Ich verstehe die Arbeit von Urbane Künste Ruhr nicht als die einer kulturpolitischen Institution, die alle Wünsche gerecht und demokratisch erfüllen kann. Für eine solche, eher Behörden-artige Konstruktion wäre ich mit meinem Selbstverständnis dann auch die falsche Besetzung. Es geht mir nicht darum, alles gleich zu machen und gleich zu behandeln, sondern es gibt bestimmte künstlerische Vorlieben, Projekte und Haltungen, die mir wichtiger sind als andere. Die Energie, die ich brauche, um etwas umzusetzen, habe ich nur für etwas, das mich auch selbst interessiert.

Obwohl das Budget von Urbane Künste Ruhr im Vergleich zu den Pleite-Haushalten der Ruhrgebietsstädte, in denen es zum Teil nicht einmal mehr freie Projektförderung gibt, relativ hoch ist, gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen relativ gut bezahlte UKR- Akteure Räume und Kompetenzen von Ruhrgebiets-Akteuren umsonst nutzten oder nutzen wollten – wie wollen Sie diesem Problem begegnen?

Wenn so ein Eindruck entsteht, klingt das erst einmal nicht gut. Ganz allgemein und im Hinblick auf die Vergangenheit kann ich dazu kaum etwas sagen, das kommt sehr auf die konkrete Situation an. Wie gesagt, ich werde es kaum allen recht machen können und das ist auch nicht meine Vorstellung, von dem was ich machen möchte. Aber ich bin sensibilisiert für mögliche Konflikte und hoffe, dass sie ggf. fair und respektvoll verhandelt werden – aus allen Perspektiven und von Seiten aller Beteiligten.

Welchen Teil ihrer Arbeit würden Sie auch ohne Bezahlung ausüben?

Ich habe in meinem Leben etliche Projekte ohne oder mit sehr wenig Geld umgesetzt. Jetzt freue ich mich, dass ich bezahlt werde und ein gutes Projektbudget zur Verfügung habe.

Wir danken und verbleiben mit einem Hinweis auf das Programm von Urbane Künste Ruhr

Vorschaubild: Ausschnitt von

Fromiller - Die Vermählung durch Prokuration in Florenz