Progranauten – tu no tienes abuela?

tu no tienes abuela? (hast du keine Oma?)

„Oh man, ich seh heut so scheiße aus..“

„ach quatsch, du siehst hammer aus.“

Solche Situationen kennen wir alle. Jemand nörgelt über sich selber und man reagiert direkt mit einer Verneinung. Das Phänomen wird Fishing for Compliments genannt. Durch Schönheitswahn und Leistungsdruck verunsichert die Menschheit immer mehr und ist stets auf der Suche nach bestätigenden Worten. Beim „Fishing“ werden quasi Knöpfe gedrückt. Ich sage meine Haare sehen heute doof damit mein Gegenüber das verneint. So das Prinzip.

In einer ersten Versuchsanordnung wollen die Progranauten dieses Phänomen untersuchen.

In einer atmosphärischen Anordnung, bestehend aus einem gestaltetem Pavillon, werden wir uns positionieren und die Besucher mit Komplimenten begrüßen. Wir gehen quasi einen Schritt weiter. Wir beginnen mit einem Kompliment. Wir sind quasi die Oma. Doch was passiert dann? Beginnt ein Gespräch? Bedanken sich die Menschen und gehen weiter? Oder ist unser Kompliment die Provokation fürs Fisching und es geht dann erst richtig los?

 

Über die Progranauten
Die Progranauten formierten sich 2012 und sind ein freies Theaterkollektiv aus Bochum, NRW.
Im Fokus der Arbeiten steht der Umgang mit aleatorischen Prinzipien und der Frage, wie die Verantwortung eines Theaterabends an die Zuschauerschaft abgegeben werden kann.

Gründung & Team
Gegründet wurde das Kollektiv von Josefine Rose Habermehl, Ulrike Weidlich und Andrea Kurz-Richarz. In dieser Besetzung wurden 2013 erste Arbeiten umgesetzt. Etwa bei der Impulse Theaterbiennale (einFluss der stillen Kuratoren) sowie 2014 am FFT Düsseldorf produziert, wo sie eine Nachwuchsförderung des MfFKJKS NRW erhielten (Pentgonales Trapezoeder). 2015 folgte eine Einladung zum westoff Theaterfestival, in diesem Rahmen entstand die Arbeite regere. 2016 wurde in eigener Produktion – erneut gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Land NRW – die Uraufführung von Kasten umgesetzt. 2016 hat sich das Kollektiv neuformiert. Weiterhin stellen Josefine Rose Habermehl und Ulrike Weidlich die künstlerische Leitung. Technischer Leiter ist Moritz Bütow. Neu im Kollektiv sind die Kostüm-und Bühnenbildnerin Kathlina Anna Reinhardt und Produktionsdramaturgin Helene Ewert. Produktionsspezifisch werden die Progranauten weiterhin durch Lichtkünstler_innen, Musiker_innen, Szenograf_innen, Tänzer_innen und Performer_innen ergänzt.

Künstlerische Ausdrucksformen
Wichtiges Kriterium bei der Umsetzung und Konzeption von Projekten ist, dass der Zugang zu den Arbeiten auch ohne theaterspezifischen Background gegeben ist. Ein Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die Durchbrechung manifestierter und für selbstverständlich wahrgenommener Sichtweisen, aber auch das kritische Hinterfragen von zeitgenössischen Arbeitsweisen, die bereits versuchen, diese zu durchbrechen. Narrationen ergeben sich in den Arbeiten der Progranauten auf unterschiedlichste Weise. Die Variationen der Arbeitsweise lassen sich auch an der Mannigfaltigkeit der Ausdrucksformen erkenne. Performative Ausstellungen wie das Weiberkabinett (Bochum, 2015) oder die Intervention einFluss der stillen Kuratoren (Bochum, 2013) sind ebenso Formen, in denen sich die Progranauten ausdrücken, wie abendfüllende Performances.

Arbeitsweise
Durch gezielte Befragungen von Außenstehenden, Untersuchungen von Textelementen aus (Theater)texten, durch Reenactments von Erzählungen und Improvisationen zu Themenfeldern werden die Grundlagen der Produktionen erarbeitet. Der Umgang mit aleatorischen Prinzipien bleibt in allen Forschungsfragen präsent. Und damit ist das Publikum bereits im Probenprozess von zentraler Bedeutung: das Kollektiv arbeitet mit Testpublikum und Tryouts, denen sich Diskussionen anschließen. Der Austausch zwischen Publikum und den KünstlerInnen ist damit wesentlicher Bestandteil des künstlerischen Schaffensprozesses. Zusammen mit Lichtkünstlern, Musikern, anderen Performern und Szenografen prüft das Kollektiv seine Annährung immer wieder neu.

Forschungsfragen
Die Produktionen und Arbeitsprozesse werden geprägt durch verschiedene Forschungsfragen, die immer wieder neu be- aber auch hinterfragt werden.
Wie muss das Verhältnis von Improvisation und Inszenierung sein? Wie kann eine Fallhöhe erzielt werden und was bedeutet „Scheitern“ in diesem Kontext? Wie kann Verantwortung an das Publikum abgegeben werden?

www.progranauten.de

 

 

 

Mitwirkende –

Josefine Rose Habermehl

(Jahrgang 1988, Herne) studierte Germanistik, Theaterwissenschaft (B.A.) und Szenische Forschung (M.A) an der Ruhr-Universität in Bochum. 2016 absolvierte sie ihr Studium erfolgreich mit dem interdisziplinärem Projekt Weiberkabinett. Habermehl arbeitet für nationale und internationale Theater- und Kunstfestivals (FIDENA/FAVORITEN) im Bereich Produktion, von August 2015 bis Oktober 2016 war sie Assistenz der Künstlerischen Leitung des Festivals Favoriten (Holger Bergmann/Jörg Albrecht). 2012 gründete sie gemeinsam mit Weidlich und Kurz-Richarz das Kollektiv Progranauten. Allein und im Kollektiv entstehen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Performance/ Installation / Happening. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der subversiven Komik im Bezug zur Welt. So erarbeitete sie 2012 im Rahmen des Cyberleiber Festivals am Schauspiel Dortmund die Audioinstallation das junge-mädchen und seine Körper, 2013 entsteht mit der Absolventin des Physical Theater Pia Alena Wagner das Projekt why do you smile, eine Performance zur komischen Figur und deren Entwicklung im Zuge der Aufklärung. In der gleichen Besetzung entstand Ende 2015 ein Theaterprojekt für die Allerkleinsten im Schauspiel Essen. Im vergangenem Jahr gründete sie mit ihren Kolleginnen das atelier automatique, ein Coworkingspace für Künstlerinnen und Kulturschaffende, welches von dem Verein „Gemeinschaft zur Förderung und Vernetzung der freien Künste Bochums e.V. getragen wird. Habermehl ist Vorstandsmitglied des Vereins. Im März erarbeitete Habermehl eine interdisziplinäre Ausstellung zur Hautkrankheit Vitiligo, auch Weißfleckenkrankheit genannt, welche am 03.03.2017 im atelier automatique in Bochum eröffnet wurde. Derzeit ist Habermehl im deutschen Forum für Figurentheater im Bereich Bibliothek/Archiv angestellt und arbeitet als Produktionsassistentin für das Projekt COOP3000, welches von Urbane Künste Ruhr und Matthaei und Konsorten umgesetzt wird..

ULrike Weidlich

(Jahrgang 1987, Schönebeck (Elbe)) absolvierte nach ihrem Abitur in Magdeburg ein FSJ Kultur. Im Anschluss studierte sie an der Universität Leipzig Theaterwissenschaft (B.A.). Ihren Master schloss sie 2017 im Studiengang Szenische Forschung ab.
Neben der Künstlerischen Leitung der Rahmenprogramme verschiedener Theatertreffen im Bereich Kinder- und Jugendtheater auf Landes- und Bundesebene, war sie als Regiehospitantin und -assistentin tätig (u.a. Schauspiel Frankfurt) und erarbeitet zusammen mit Jugendlichen Stückentwicklungen (u.a. TJC Theater Magdeburg). Seit 2010 entstehen interdisziplinäre Arbeiten und Projekte im urbanen Raum. In der Arbeit „Hamlets ewiger Gang“ zeichnete sie auf bis zu 25m² die Gänge des Hamlet aus vier kompletten Inszenierungen übereinander. In einem performativen Vorgang setzte sich die begehbare Installation mit Bewegungen des Zögerns auseinander. Aktuelle Projekte von Weidlich (etwa Die Hälfte von Nichts – u.a. eingeladen zu Kunststoff, Kunstverein Hannover, 2015) stehen unter dem Fokus der Suche einer explorativen Praxis des Schweigens sowie der Arbeit mit Lücken und Auslassungen in Hinblick auf die Frage, was das für ein Publikum bedeuten kann. 2013 gründete sie mit Habermehl und Kurz-Richarz die Progranauten. Seitdem sind mit dem Kollektiv zahlreiche performative Arbeiten entstanden. Weidlich zeichnet sich mitverantwortlich für Konzepte sowie die Künstlerische Leitung. Ulrike Weidlich arbeitet seit 2013 für das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V., seit 2016 ist sie dort Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, im selben Jahr war sie für das Marketing des internationalen Festivals FIDENA verantwortlich. Ende 2015 gründete sie die Ausschreibungs- plattform callforkunst.de.

 

Kathlina Anna Reinhardt

2016
Endlich freischaffend. Sie zog im Sommer nach Bochum und eröffnete mit vier weiteren Künstlerinnen aus Bochum das ATELIER AUTOMATIQUE. Das atelier automatique ist künstlerischer Arbeitsort und einfach ein Raum für Kunst. Dafür gründete sie den Verein Gemeinschaft zur Förderung und Vernetzung der freien Künste Bochums e.V. mit, in dem sie als stellvertretende Vorstandsvorsitzende mitwirkt.
Des Weiteren schloss sie sich dem freien Künstlerkollektiv PROGRANAUTEN an. Ein Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die Durchbrechung manifestierter und für selbstverständlich wahrgenommener Sichtweisen, aber auch das kritische Hinterfragen von zeitgenössischen Arbeitsweisen, die bereits versuchen, diese zu durchbrechen. Narrationen ergeben sich in den Arbeiten der Progranauten auf unterschiedlichste Weise. Wichtiges Kriterium bei der Umsetzung und Konzeption von Projekten ist, dass der Zugang zu den Arbeiten auch ohne theaterspezifischen Background gegeben ist.

Seitdem arbeitet sie weiterhin als Ausstatterin an Stadt-und Landestheatern, während sie in freien Szene die klassischen Grenzen des Kostüm- und Bühnenbilds für sich erweitert.

Helene Ewert

(Jahrgang 1988, Münster) studierte bis 2012 Theater, -Film und Medienwissenschaften an der Universität Wien. Am Schubert Theater Wien war sie seit 2009 als Regieassistentin tätig und übernahm von 2011 – 2013 die kaufmännische Leitung vom Haus und führte Regie.
2013 – 2017 Studium der Szenischen Forschung an der Ruhr-Universität Bochum. Sie arbeitet als Produktionsleitung in verschiedenen Projekten der freien Szene. Seit 2014 arbeitet sie am Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst, unter anderem als Mitarbeiterin der FIDENA und Produktionsleitung für den Fritz-Wortelmann-Preis. Bis Oktober 2016 war sie die Assistentin der künstlerischen Leitung (Holger Bergmann) des FAVORITEN Festivals 2016. Am NRW Landesbüro freie darstellende Künste koordiniert sie das landesweite Qualifizierungsprogramm weiterkommen!. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Gemeinschaft zur Förderung und Vernetzung der freien Künste Bochums e.V., der Verein ist Träger des atelier automatique, welches sie mit anderen Künstlerinnen aus Bochum gegründet hat.
Zusammen mit Julia Nitschke arbeitet sie künstlerisch unter dem Label Ewert Nitschke, ihre Produktion Absagen an Krieg wurde im Rahmen der vierten Mülheimer Fatzer Tage 2014 gezeigt. Die zweite Produktion Absagen an die Festung Europa wurde vom Asphalt Festival Düsseldorf im Juli 2016 koproduziert. Seit 2016 ist sie Produktionsdramaturgin bei den Progranauten.

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