Daniel Parlow – Urban Post-Itism

Wir spielen ein unkompliziertes Spiel namens „Urban Post-Itism“ (entwickelt von play:vienna), indem es darum geht sich durch spielerische, strategische Interaktionen den öffentlichen Raum mit Hilfe von gewöhnlichen Post-It´s anzueignen.

Remember List Memory Urgent Postit Post It Note

Werdegang
Seit meiner frühen Jugend spiele ich schon im und mit dem öffentlichen Raum, als Skateboarder, Traceur, Urban Explorer, Street Artist und Urban Gardener. Seit 2014 bin ich im Bereich Urban Games tätig. Neben meiner wissenschaftlichen Forschung und der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema war ich als Mitorganisator des 1. internationalen Urban Games-Festivals „playin´ siegen“ in Siegen aktiv. Ich habe zahlreiche Urban Game Design Workshops angeleitet, etwa bei der „Next Level Conference „2014 und 2015 oder dem „Innovative Citizen Festival“ 2016. Zudem habe ich eine Viehlzahl konkreter Urban Games durchgeführt, darunter sowohl Eigen- als auch Fremdproduktionen. Mit den Urbanisten habe ich 2016 das „Street Art Bingo“ im und für das Unionviertel in Dortmund entwickelt.
Seit dem Frühjahr 2017 bin ich freiberuflich tätig und möchte nicht nur eigene Urban Games entwickeln und spielen, sondern auch anderen Menschen in Workshops zeigen, wie sie das selbst können um ihre eigene städtische Umgebung zu beleben.

www.parlow.eu/daniel/

Urban Games

Urban Games sind Spiele im öffentlichen Raum. Unter dem englischen Begriff verstehe ich ein Spiel, das räumlich und oft auch zeitlich nicht (unbedingt klar erkennbar) begrenzt ist, das den städtischen Alltag durchdringt und nicht von ihm getrennt werden kann. Urban Games eignen sich die Räume der Stadt an, spielen mit diesen Räumen herum und funktionieren sie um, indem sie sie zu Spielfeldern machen. Der Ablauf eines Urban Games ist durch diese Eigenschaften und durch den Kontakt mit Nicht-Spielenden nie völlig vorhersehbar. Ich selbst entwerfe weitestgehend analoge Spiele, aber auch mobile Medien können in Urban Games eingebaut werden.
Spielen fördert immer eine Auseinandersetzung mit dem Spiel, mit den Regeln und dem Spielfeld. Oft beschränkt sich diese Wirkung auf das abgegrenzte, klar definierte Stück Welt, das als Spielfeld ausgewiesen wurde. In der Praxis des Urban Gamings ändert sich das, da das Spielfeld mit der ‚echten Welt‘ identisch ist. Es handelt sich bei der Spielwelt um eine zusätzliche Sinnebene, die über die bisherige, ’normale Welt‘ gelegt wird und die Spielenden nachweislich stark in ihren Bann ziehen kann. Dadurch fördern Urban Games eine Improvisationsbereitschaft und eine spielerische Grundhaltung der Welt gegenüber, was sich positiv auf die Kreativität, das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zur Problemlösung auswirkt.
Eine weitere Besonderheit ist auch, dass durch Urban Games einem Prozess der Entfremdung der Stadtbewohner*innen von ihrem Lebensumfeld entgegengewirkt werden kann. Durch Urban Games wird der Stadtraum anders und intensiver, da mit ‚anderen Augen‘ und wachen Sinnen kennengelernt, erlebt und mit positiven Erinnerungen, Erfahrungen und Gedanken verknüpft. Innerhalb der Spielwelten machen die Spielenden zudem die wichtige Erfahrung, dass ihre Handlungen direkten Einfluss auf den Ablauf und den Ausgang des Spiels haben, sie erleben und erfahren in der Spielwelt – die sich in Urban Games mit der städtischen Alltagswelt überschneidet – Selbstwirksamkeit.
Die Zusammenarbeit im Team und die Interaktion mit Anwohnenden und Passanten fördert partizipative und demokratische Gruppenprozesse und regt den Austausch der Bewohner*innen und der Spielenden auch über die Spielphase an.

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