INVERSCITY und die erste „Gemeinsame Mittelvergabe“


Am 7. Juni 2013 erfolgte neben 1,83 Mrd. ande- ren Neuveröffentlichungen im WWW ein öffent- licher Aufruf, eine Aufforderung, eine Einladung des Netzwerk X:

„Rein in die Stadt! In welche Stadt? Wie du meinst. Das, was vom Ruhrgebiet noch übrig ist bzw. ein Nährboden für eine andere Gesellschaft. […] INVERSCITY fragt, wie wir die Vorzeichen wechseln, wenn etwas schnell gegen die Wand zu fahren droht oder etwas anderes mehr Schwung benötigt. Deswegen fördern wir X INTERVENTIONEN – dazwischen gehen!“

Bis dahin war das Netzwerk X v.a. mit Forderungen hervorgetreten, auch Förderungen wurden nur gefordert. Ein Schreibfehler also? Nein, denn tatsäch- lich war es dem Netzwerk (vertreten durch Tup e.V. und Port e.V.) gelungen, in sein Projekt INVERSCITY einen Etat von 15.000 Euro einzustellen, der an erst noch zu entwickelnde Interventionsprojekte vergeben werden sollte.
In Antwort auf den Aufruf erhielt das Netzwerk sechzehn Interventionsvorschläge. Ihre Formen reichten von Performance bis Musik, von Festival bis Demonstration, von sehr laut bis stumm. Ihre kalkulierten Kosten lagen beim Doppelten des vorhandenen Etats.

Zur Auswahl wurde ein Expertengremium bestellt. Und wer ist mehr Expertin eines Projekts als ihre Erfinderin? Also wurden alle BewerberInnen für den 23. Juni ins (damals noch) Freie Kunstterritorium in Bochum eingeladen, um die Jury zu bilden für ihren eigenen und für alle anderen Interventionsvorschläge. Die Juryarbeit begann mit gegenseitigen Informationen zu allen Vorschlägen. Es folgte ein inhaltlicher Austausch über jede einzelne und den sich ergebenden Zusammenhang aller Interventionen, damit verbunden auch eine Diskussion über die je benötigten Mittel. In dieser kollektiven Re exion argumentierten die TeilnehmerInnen nicht für ihr eigenes Projekt, nahmen vielmehr Partei für andere, ein Vorschlag wurde von der Antragstellerin selbst zurückgezogen, ein Interventions-Etat wurde als zu selbstausbeuterisch kalkuliert kritisiert und angeho- ben, viele andere mit Zustimmung der Verantwortlichen reduziert, zumeist mit der Auflage, damit auch den Umfang des Teilprojekts zu begrenzen. Nach vierstündiger Juryarbeit stand der Beschluß fest.

Insbesondere bei den BewerberInnen auf die Ausschreibung, die das Netzwerk X zuvor nicht kannten, bewirkte dieses Entscheidungsprocedere zunächst Unglauben, dann – nach der Entscheidungsrunde – Begeisterung: „Es ist großartig, daß ihr das macht. Ich war ganz inspiriert und habe schon der Dame aus unserem Kulturamt von Eurem Projekt erzählt, sie war leider erst mal noch nicht sonderlich begeis- tert. Aber ich denke, sollte das gut laufen, wonach es ja bisher aussieht, hat Eure Vorgehensweise auf jeden Fall unbedingt Modellcharakter!!!“ Und ein anderer Beteiligter schrieb „am Morgen nach dem doch durchaus denkwürdig zu nennenden Netzwerk- Treffen“: „Danke an alle für das Treffen und die allen aufgetauchten Aspekten entgegengebrachte lebhafte Ernsthaftigkeit. Ich bekomme einen Hauch von dem Eindruck, was Hoffnung in größeren Zusammenhängen bedeuten könnte.“

Alle zu INVERSCITY-> http://netzwerk-x.org/inverscity-festwoche/

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